Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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148 Röschen vom Hofe.

Im Hauſe, unten neben dem Wohnzimmer.

Es war nicht Roſe, welche die Worte geſprochen hatte, ſondern die Frau Wenzel. Wie konnte auch Roſe mit ihm ſprechen, wenn ſie unten beim Grafen war? Seit wann waren ſie denn mit einander verheirathet?Noch gar nicht Pah, warum einem alten Mann ſolche Lügen ſagen? Die Kugeln im Kopfe hätten ihn vielmehr ge⸗ ſchmerzt, als der Gedanke, daß der Graf und ſeine Roſe Mann und Frau ſeien; einmal mußte ſie ja doch heirathen, und da war es am Ende gut, daß der Doctor ihm die Kugeln aus dem Kopfe genommen habe und er dabei geſtorben ſei.

Es war am vierzehnten Tage nach der verhängnißvollen Nacht. Der Doctor hatte Roſe darauf vorbereitet, daß eine Kriſis in dem Zuſtande des Vaters eintreten und er entweder aus dem tiefen Schlaf, in welchem er ſeit vierundzwanzig Stunden gelegen, erwachen, oder in den Tod hinüberſchlummern werde.

Ich ſpreche mit Ihnen, liebes Fräulein, ſagte der Doctor,wie man in dergleichen Fällen leider ſelbſt nur mit wenigen Männern ſprechen kann; aber Sie haben auch mehr Hirn und Herz, als ich für mein Theil bei den meiſten Männern gefunden habe. Erlauben Sie mir einmal Ihre Hand.

Sie ſind ein herrliches Mädchen, fuhr er fort,Sie könnten den größten Miſanthropen wieder an die Menſchheit glauben machen. Wollte der Himmel, daß Sie noch einſt ſo glücklich werden, wie Sie groß und gut ſind!

Roſe's Augen füllten ſich mit Thränen. Sie hatte alle dieſe Zeit nicht ein einziges Mal geweint, aber in der ungeſchminkten Theilnahme des wackern Mannes ſah ſie ihr Leid wie in einem Spiegel.

Muth, Muth, meine kleine Heldin, ſagte der Doctor, der um einen Kopf kleiner war, als Roſe;wir haben die Schlacht noch nicht

verloren; ja wir haben ſie ſchon zur Hälfte gewonnen, denn der unten (das Geſpräch fand in Roſe's Stube ſtatt) iſt in einem Monat ſo weit hergeſtellt, daß, wenn er auch den rechten Arm wohl noch wird in der Binde tragen müſſen, er die linke Hand frei genug hat, um eine gewiſſe junge Dame damit für immer feſtzuhalten. Nun, nun, liebes Fräulein, Sie brauchen mir nicht zu zürnen; der Graf hat da⸗