Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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58 Röschen vom Hofe.

Nachlaß einer Verwandten ſei, die einſt am Hofe Auguſt des Star⸗ ken lebte.

„Merkwürdig, daß ich dieſes Kunſtwerk nie bei Ihrem Vater be⸗ merkte,“ rief Herr von Weißenbach,„es muß in irgend einem Winkel geſtanden haben, oder es würde mir nicht entgangen ſein. Ich habe nie etwas geſehen, das ſo vollkommen im Charakter jener Zeit geweſen wäre. Dies iſt ein Stück Geſchichte, Graf Lengsfeld.“

Der Graf vermochte nicht, ſich darüber zu freuen, daß ſeine Ab⸗ ſicht, dem alten Herrn mit der Ausſtattung dieſes Zimmers ein Compliment zu machen, ſo gut gelungen war. Seiner geraden Seele war das Bewußtſein peinlich, zu ſo kleinlichen Mitteln der Schmeichelei ſeine Zuflucht genommen zu haben. Er konnte ſich kaum enthalten, auf die letzte Bemerkung des alten Herrn zu erwidern, daß das Stück Geſchichte, welches die Uhr repräſentiren ſolle, zum mindeſten ein ſehr nichtsnutziges und trauriges ſei.

Herr von Weißenbach konnte ſich kaum von dem Anblick der Uhr trennen, die übrigens auch Roſe's Bewunderung erregt hatte. Dieſer neue Beweis von des Grafen vorſorglicher Güte rührte und entzückte ſie faſt noch mehr, als alles Andere. Und nun fand ſie auch den Muth, dem Grafen voll in die Augen zu blicken und ihm lächelnd ihren Dank zuzunicken. Der Graf fühlte, daß ihm das Blut in die Wangen ſchoß; er lud, um ſeine Verwirrung zu verbergen, dringender als zuvor ein, an dem Tiſche Platz zu nehmen.

Man hatte ſich kaum geſetzt, und der Graf, welcher den Diener weggeſchickt hatte, um ungeſtörter mit ſeinen Gäſten plaudern zu können, die zarten Kelchgläſer mit Champagner gefüllt, als der Paſtor ſich erhob und einen Toaſt ausbrachte auf„die, welche dereinſt in dieſen Räumen als vielgeliebte, angebetete Herrin und Hausfrau ſchalten und walten würde.“

Der Graf hatte das dunkle Gefühl gehabt, daß der plumpe Ge⸗ ſell etwas der Art vorbringen werde. Er verlor deßhalb keinen Augen⸗ blick ſeine Faſſung, ſondern dankte mit wenigen Worten, indem er zugleich äußerte, daß es vielleicht gerathener ſei, dem Kommenden in keiner Weiſe vorzugreifen. Der Paſtor verſtand dieſe Andeutung nicht, oder wollte ſie nicht verſtehen. Er hielt es für die Pflicht des