Erſtes Capitel.
Ein prächtiger Sommerabend ſank herab auf die ausgedehnten Waldungen, die um Schloß Vere, in einer der weſtlichen Grafſchaften von England, weithin das Hügelland bedecken, das den Uebergang aus der Ebene zu den höhern Bergen bildet.— Die blätterreichen Kronen der mächtigen Eichen und Buchen regte kein Hauch; in ihren Wipfeln ſpielte der rothe, warme Abendſonnenſchein, und weithin auf die üppige Wieſe im Herzen des Waldes warfen ſie ihre rieſigen Schatten.— An dem Rande der Halde, in das duftige Heidekraut am Fuße der alten Buche hatte ein junger Jägersmann behaglich ſich hingeſtreckt. Hinter ihm, am moos'gen Stamm, lehnte die Doppelflinte; unter das blondgelockte Haupt hatte er die Jagdtaſche als Kiſſen geſchoben, und die Mütze aus der Stirn, wie, um bequemer in den Himmel ſchauen zu können; neben ihm lag der Hühnerhund, den Kopf dicht an der Erde, mit halbgeſchloſſenen Augen, und doch die langen Ohren leiſe bewegend, als ſei es ihm in müſſigen Augenblicken eine angenehme Erholung, auf das Wachſen des Graſes zu horchen.
Der junge Mann ſchien weniger ernſtlich beſchäftigt, vielmehr ganz verſunken in das träumeriſche Sinnen, das ein Abend im Walde in uns wach ruft, wenn wir den Duft der Pflanzen und Kräuter mit vollen Zügen einſaugen, dem Spechte zuhören, der in dem Dickicht neben uns hämmert, den roſigen Wolken zuſchauen, die langſam am blauen Himmel über uns hinſegeln; wenn der tiefe Gottesfriede, der
in dieſer Stunde auf der Natur liegt, leiſe in unſer der ſchleicht Fr. Spielhagen's Werke. V.


