Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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18 Auf der Düne.

Weines, den Papa Walter aus dem Keller geholt hatte, ließ Paul's alle Zeit glänzende Phantaſie in noch tieferen, reicheren Farben ſpielen, und er glaubte das Compliment, ein guter Geſellſchafter zu ſein, das ihm Hedda ganz aufrichtig machte, in der That zu verdienen, obgleich er höflich genug war, es mit dem Gegencompliment zu erwiedern, es ſei keine Kunſt ein guter Geſellſchaſter zu ſein in guter Geſell⸗ ſchaft. Und wirklich hat die Gegenwart gewiſſer Perſonen auf uns den Einfluß, den der warme Ofen auf das Münchhauſen'ſche Poſi⸗ horn hatte. Wenn in der kalten Welt draußen, der eiſigen Luft der Gleichgültigkeit, dem ſchneidenden Winde des Haſſes uns die Gedan⸗ ken im Kopfe und die Gefühle im Herzen erſtarren, ſo ſpielen wir vor jenen warmen, lieben Menſchen Alles willig ab, was nur immer von heiteren und traurigen Weiſen in uns ſingt und klingt. Und zu dieſen lieben Menſchenkindern mußte auch wohl die kluge Hedda ge⸗ hören, ſonſt hätte Paul ihr nicht den vierten Theil von dem erzählen können, was er ihr an dieſem Nachmittage erzählte. Und wovon er⸗ zählte er ihr nicht? Von ſeinen Kinderſpielen, und von dem Salon⸗ leben der Reſidenz; von ſeinen Reiſen und von dem ſtillen Kirchhof vor den Fenſtern ſeines Studirzimmers drüben in der kleinen Univer⸗ ſitätsſtadt; von den phantaſtiſchen Träumen ſeiner Jünglingsjahre und der ernſten Arbeit des Mannes. Es war ihm, als ob er dem feinen, klugen Mädchengeſichte mit den dunkeln, unerklärlichen Augen Alles erzählen dürfe, weil ſie Alles verſtehen würde; und ſie erwie⸗ derte Vertrauen mit Vertrauen. Die Erinnerungen aus der unver⸗ geßlichen Penſionszeit; die alte Vorſteherin mit den ſtrengen Zügen und mit dem Herzen voll Liebe und Güte; ihre Jugendfreundinnen; der ſentimentale Paſtor, der Schiller und Goethe mit ihnen las; das einſame Leben auf der Iüfel und ihre Studien und ihre Muſik Alles kam nacheinander an die Reihe. Und welche hübſchen Züge wußte ſie von ihrer Umgebung zu berichten; wie trefflich ſchilderte ſie Guſtav's gemüthliches, praves Weſen; Clementinens hellen Verſtand und Haß gegen alle Ziererei und Lüge. Von Herrn von Elze, der verreiſt war, ſagte ſie wenig; deſto mehr erzählte ſie von ihrem Vater und von ihrer verſtorbenen Mutter; Paul mußte ihr Bild ſehen; im nächſten Zimmer und ſie führte ihn dahin, und ſprach be⸗

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