192 Problematiſche Naturen.
„Cveurdame für mich. Damen immer für mich. Danke, Gren⸗ witz, kommen Sie bald wieder ſo.“
Felix ſchien für den Augenblick dieſem freundlichen Wunſche nicht entſprechen zu können. Sein wirrer Blick irrte über den Kreis derer, die den Tiſch umſtanden und hlieb auf Oswald haften.
„Sie da!“ rief er plötzlich überlaut;„holen Sie mir doch einmal ein Glas Wein.“
Oswald wurde erſt, als die Augen Aller ſich auf iyn wandten, inne, daß dieſe groben Worte an ihn gerichtet waren.
„Der Menſch ſcheint nicht hören zu können,“ rief Felix.„Sie ſollen mir ein Glas Wein holen, verſtanden!“
„Ich glaube, ein Glas Waſſer würde Ihnen dienlicher ſein,* ſagte Oswald, ohne ſeine Stellung zu verändern, mit ruhiger, feſter Stimme.
Es war ſo ſtill in dem Zimmer geworden, daß man eine Nadel hätte fallen hören.
„Wie gefällt Ihnen das, meine Herren?“ ſagte Felix, um ſich blickend;„mein Onkel hält ſich eine allerliebſte Sorte Bedienten, meinen Sie nicht?“
„Zeigen Sie ihm doch, wer Herr im Hauſe iſt,“ ſagte von Sylow.
„Oder laſſen Sie ihn eine Stunde nachſitzen, meinte von Grieben.
„Oder beſſer: geben Sie ihm die Ruthe, mit der er ſeine Buben züchtigt,“ ſagte von Cloten.
„Oder ſtrafen Sie ihn mit der Verachtung, die er verdient;“ rief von Breeſen.
Oswald wandte ſeine Augen von Einem zum Andern, wie ein Löwe, der nicht weiß, ob er ſich auf die Hunde, die ihn umheulen, ſtürzen ſoll oder nicht. Seine Geſtalt war hoch aufgerichtet. Viel⸗ leicht zitterte die Hand, die er auf den Tiſch gelegt hatte, etwas; aber ſicher nicht aus Feigheit.
„Werden Sie gehen, oder nicht?“ Felix, aufſpringend und dicht vor Oswald tretend.
„Treiben Sie die Unverſchämtheit nicht zu weit,“ ſagte Oswald


