Dritter Band. 175
nicht, von wem dieſe Gerüchte ausgegangen waren. Die ſcharfſich⸗ tigere Minorität meinte: von Hortenſe Barnewitz, und das Ganze ſei eine Rache an Oldenburg für einen gewiſſen guten Rath, den er ſeinem Freunde Cloten vor einiger Zeit gegeben, und Cloten ſo blind⸗ lings befolgt habe, daß er ſich, als er die Augen aufthat, zu den Füßen Emiliens von Breeſen wieder fand.
Unterdeſſen war die achte Stunde, in welcher der Ball beginnen ſollte, herbeigekommen. Die Baronin eröffnete denſelben an der Hand des Grafen Grieben. Graf Grieben hatte trotz des ſchmetternden Kreiſchens ſeiner Stimme alle Mühe die Muſik zu überſchreien, die auf ſeinen ſpeciellen Wunſch voraufging, da er auf den geiſtreichen Einfall gekommen war, die lange Reihe der tanzenden Paare nickt nur durch die Säle des Schloſſes, ſondern auch um den großen Ra⸗ ſenplatz und weiter in die dichteſten Theile des Gartens hinein und aus demſelben wieder zurück in den Ballſaal zu führen, wo er die Polonaiſe mit einem feierlich langſamen Walzer ſchloß.
„Das iſt ſo gute alte Sitte, gnä'ge Frau!“ kreifchte er vergnügt der Baronin in's Ohr;„mein Vater ſelig hielt's ſo und mein Groß⸗ vater ſelig. Die Alten kannten den Rummel. Jugend hat keine Tugend. Meinen's nicht auch, gnä'ge Frau?“
„Ja wohl, ja wohl!“ ſagte die Baronin.
Tanz reihte ſich an Tanz. Die Geigen quinquilirten, der Baß brummte dazwiſchen. Die Geſichter der Tänzer fingen an ſich zu er⸗ hitzen; die Damen begannen ihre Fächez häufiger zu benutzen; die Diener, welche in den Pauſen mit Erfriſchungen umhergingen, ſahen die Präſentirbretter immer ſchneller geleert— aber die rechte Luſt wollte ſich doch nicht entzünden; es war, als ob ein Schleier über der Geſellſchaft hing.
„Weiß der Teufel, was das heute iſt,“ ſagte der junge Grieben, ſich die Stirn wiſchend, in einer der Pauſen an eine Gruppe von Tänzern, die mitten im Saal ſtand, herantretend;„man tanzt ſich faſt die Beine ab, aber es geht nicht; man kommt nicht in Zug.“
„Nun, Sie können lange tanzen, bis Sie Ihre langen Beine ab⸗ getanzt haben,“ ſagte von Sylow,„aber Sie haben Recht; ich habe


