Dritter Band. 43
unterdeſſen eine Windſtille eingetreten und die Leute hatten ſich mit den ſchweren Rudern— zur Verzweiflung des Baron Felix, der ſie vom Strande aus durch ein Taſchentelescop beobachtete— Zoll um Zoll hinüber arbeiten müſſen. So war der Abend bereits tief hereingeſun⸗ ken, als der Baron zum zweiten Male— diesmal mit dem Kaſten— von dem Fährdorfe aufbrach. Er war in einer fürchterlichen Laune. Er hatte verſprochen, heute noch auf Grenwitz einzutreffen, da er„den Augenblick, ſeine ſchöne Couſine zu ſehen, nicht erwarten könne.“ Eine Verzögerung ſeiner Ankunft konnte ihm leicht übel ausgelegt werden. Beſſer alſo, in tiefer Nacht, als gar nicht kommen. Auf der andern Seite aber war eine nächtliche Fahrt durch Wald und feuchtes Moor — noch dazu in einem offenen Wagen— keineswegs nach dem Ge⸗ ſchmacke des jungen Ex⸗Lieutenants, der— jedenfalls in Folge der ungeheuren Strapazen auf dem Exercirplatze und bei den Paraden— ſehr an Rheumatismus litt und eine Erkältung wie die Peſt fürchtete. Er wählte alſo von den zwei Uebeln, ſich dem Verdacht der Gleich⸗ gültigkeit, oder der Gefahr einer Erkältung auszuſetzen, das kleinere und drohte nur ſeinem Jean, daß er(Baron Felir) von der Größe ſeines Schnupfens morgen früh die Größe der Strafe für ſeine (ean's) Nachläſſigkeit werde abhängen laſſen.
Es war deshalb eine nicht unbedeutende Beruhigung für Jean, als ſein Herr am nächſten Morgen(man hatte die nächtliche Ruhe des Schloſſes ſo wenig wie möglich geſtört und ſich von einem der herausgepochten Bedienten die ſchon längſt bereit ſtehenden Zimmer anweiſen laſſen) mit ſehr guter Laune erwachte, ſeinen Cacao wie gewöhnlich im Bett zu trinken begehrte und nachdem er ſich halb hatte ankleiden laſſen— die zweite, wichtigere Hälfte beſorgte er eigen⸗ händig— ihn fortſchickte, um Herrn Timm, deſſen Anweſenheit auf dem Schloſſe er erfahren hatte, bitten zu laſſen, ihn auf ein paar Minuten auf ſeinem Zimmer zu beſuchen.
„Ah voila, lieber Timm, wie geht es Ihnen?“ ſagte Baron Felix, das letzte Wort auffallend markirend, als der Angeredete bald darauf eintrat.„Sie entſchuldigen, daß ich Ihnen ſo früh läſtig
falle: aber ich— zum Teufel, nun hat der Eſel von Jean wieder
heißes ſtatt warmes Waſſer gebracht— entſchuldigen Sie!— Jean,


