2 Zweiter Band. 45 Stellung in der Geſellſchaft bewußt, und nicht ſtets oben hinaus⸗ wollend, wie gewiſſe andere Leute.“
„Ei, ja wohl,“ beſtätigte der Paſtor, ein äußerſt charmanter, beſcheidener junger Mann,„und der ſowohl was ſeine Talente be⸗ trifft, die wirklich überraſchend ſind, als auch wegen der angeſehenen Familie, aus welcher er ſtammt, Beachtung verdient.“
„Guſtava kennt ſeine Familienverhältniſſe genau: auch ich erinnere mich aus meiner Grünwalder Zeit her ſehr wohl ſeines Herrn Vaters, eines ausgezeichneten Advokaten, der ſein bedeutendes Vermögen kurz vor ſeinem Tode in einer unglücklichen Speculation verlor. Seine Verwandten befinden ſich zum Theil in ganz reſpectabeln Stellungen. Ein Onkel von ihm iſt Major. Auch Herr Timm war anfangs zu einer militäriſchen Carrière beſtimmt, und war, ſo viel ich weiß, ſchon Fähndrich, als er in Folge der großen Verluſte ſeines Vaters, dieſe Laufbahn aufgab, um ſich dem Baufach zu widmen. Er wünſcht ſehnlichſt, die Akademie in der Reſidenz beziehen zu können, nur fehlt es ihm leider—“ der Paſtor machte mit dem Daumen und Zeige⸗ finger ſeiner rechten Hand eine bezeichnende Bewegung.
„Das iſt ja jammerſchade,“ ſagte die Baronin;„wer doch dem armen Menſchen helfen könnte! kann ihm denn ſein Onkel, der Major, nicht ein paar hundert Thaler vorſchießen? aber freilich die Herren vom Militär haben meiſtens genug mit ſich ſelbſt zu thun.— Ah mademoiselle, vons arrivez bien à propos! Veuillez avoir la bonté—“ Die Baronin war aufgeſtanden, um der eben eintretenden Mademoiſelle Marguerite eine Inſtruction zu ertheilen.
„Wollen Sie meine Bienenſtöcke einmal anſehen, Paſtor Jäger?“ ſagte der Baron.
„Mit dem größten Vergnügen;“ erwiederte dieſer, Hut und Stock
ergreifend. „Bleiben die Herren nicht zu lange,“ ſagte die Baronin;„wir wollen heute noch etwas ſoupiren.— Que voulais je dire? Ah, oui!
du chocolat, mais pas si énormement sucré que la derniére fois, et particulierement prenez garde———“ Der Abend war gekommen, mit ihm Frau Paſtor Jäger auf dem
Einſpänner. Primula trug dasſelbe Kleid von ungefärbter Seide,


