Teil eines Werkes 
1. Band, Problematische Naturen : 1. Band (1866)
Entstehung
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34 Problematiſche Naturen.

Ton ihrer etwas tiefen, wohllautenden Stimme und ihrer immer ge⸗ wählten Sprache, die jeden vulgären Ausdruck ſorgfältig vermied, daß ſie ſich dieſes Eindrucks wohl bewußt war und ihn auf jede Weiſe zu erhalten ſuchte.

Ob die Dame, welche ſich bei der Baronin befand, ſich durch die ſtattliche Erſcheinung derſelben imponiren ließ, oder es für paſſend hielt, wenigſtens den Anſchein davon anzunehmen, laſſen wir dahin⸗ geſtellt; ſo viel iſt ſicher, daß ſie ſich in dieſem Moment einer Hal⸗ tung befleißigte, die mit dem Ausdruck ihres Geſichts, ja nicht einmal mit ihrem Anzuge übereinzuſtimmen ſchien. Sie trägt ein Reit⸗ gewand von dunkelgrünem Sammet, das hinreichend in die Höhe geſteckt iſt, um ſie nicht beim Gehen zu hindern und ihre ſchmalen Füße, die in eleganten Stiefelchen ſtecken, zu verhüllen. Das eng⸗ anſchließende Gewand hebt die ſchönen Formen des jugendlich⸗vollen Körpers vortheilhaft hervor, und der kleine runde Hut, der nebſt Handſchuhen und Reitpeitſche auf einem kleinen Tiſche in ihrer Nähe liegt, muß dieſem wohlgebildeten Kopfe mit den üppigen, braunen Haaren, die, einfach in der Mitte geſcheitelt, in reichen Wellen über Stirn und Ohren fallen und hinten zu einem Kranze aufgebunden ſind, vortrefflich ſtehen. Sie ſitzt der ſtreng wirthſchaftlichen und muſterhaft fleißigen Baronin, die an einem Stück Leinwand, das möglicherweiſe eine Serviette iſt, eifrig näht, gegenüber und ſcheint mit dem Sticken eines Namenszuges in einer ſchon geſäumten Ser⸗ viette beſchäftigt. Dies nimmt ſich nun freilich bei ihrem Anzuge wunderlich genug aus, auch ſcheint dieſe Arbeit der Dame nicht eben zuzuſagen, wenigſtens hebt ſie, als jetzt die Baronin aufſteht, um im Hintergrunde des Zimmers etwas zu ſuchen, ſchnell den Kopf in die Höhe und zeigt ein hübſches Geſicht mit kindlich⸗ weichen Zügen und großen braunen, in feuchtem Schimmer glänzenden Augen, und dies Geſicht hat jetzt genau den Ausdruck eines über⸗ müthigen Schulmädchens, deſſen ſtrenge Lehrerin auf einen Augenblick den Rücken wendet.

Was ſagten Sir, liebe Anna⸗Maria? fragte die Dame, indem ſie ſich, als die Baronin ſich umwandte, wieder über ihre Arbeit beugte. Er