32 Problematiſche Naturen.
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„Uebrigens,“ ſagte er,„bin ich an dieſe Anfälle ſchon gewöhnt und wenn Sie die Güte haben wollen, mir etwas Thee zu bereiten und mir ein paar Tropfen von der Eſſenz zu geben, die der Doctor neulich für mich verſchrieben hat— das Fläſchchen ſteht auf meinem Pult— ſo ſollen Sie ſehen, geht es bald vorüber.“
Oöswald beeilte ſich, das Gewünſchte herbeizuſchaffen. Er gab dem Knaben von der Mediein, er ließ ihn den Thee trinken, er rückte ihm das Kopfkiſſen zurecht, er holte noch eine Decke herbei, er that Alles mit jener Umſicht und Gewandtheit, mit der feinfühlende Men⸗ ſchen, auch wenn ſie nicht daran gewöhnt ſind, mit Kranken umzu⸗ gehen, die profeſſionirten Krankenwärter beſchämen.
i Ihnen als Pfleger iſt es beinahe ein Vergnügen, krank zu ſein,“ ſagte Bruno, dankbar die Hand ſeines Freundes drückend.
„Still, ſtill!“ ſagte der,„thue mir nur den Gefallen und habe
keine Schmerzen mehr.“ „Ich will mein Möglichſtes thun,“ ſagte der Knabe lächelnd.
Wirklich ging Oswald's Wunſch bald in Erfüllung. Die kalten
Tropfen auf der Stirn des Kranken wurden zu warmen, und alsbald umhüllte ihn die gütige Natur mit tiefem Schlaf, um ſtill und heim⸗ lich das geſtörte Gleichgewicht des Organismus wieder herzuſtellen. Manchmal noch zuckte die feine, ſchmale Hand, die Oswald in der ſeinen hielt; dann ließ auch das nach, und der Arzt aus dem Steg⸗ reife gratulirte ſich im Stillen zu dem guten Erfolge ſeiner Kur. Aber er mußte doch wohl noch einige Beſorgniß vor einem Rückfalle haben, denn er entzog leiſe ſeine Hand der des Knaben, holte aus ſeinem Zimmer einen Lehnſtuhl und ſetzte ſich zu Häupten des Bettes. Die Lampe hatte er ausgelöſcht, damit die ungewohnte Helle den
Schläfer nicht beläſtige, und ſo ſaß er denn im Dunkeln und ſah das
Mondlicht, das durch eine Spalte des Vorhanges fiel, langfam an
der Wand hingleiten und horchte auf die regelmäßigen Athemzüge
des Knaben, bis ihn ſelbſt die Müdigkeit überwältigte.
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