Erſter Band. 21
eines Heckenganges hatten gemeinſchaftliche Sache gemacht und ſich zu
einem undurchdringlichen Geſtrüpp vereinigt; ein Gärtner, der für die ſtumme Sprache von Taruspyramiden kein Verſtändniß mehr beſaß,
und eine praktiſchere Richtung verfolgte, hatte, unbekümmert um den
äſthetiſchen Eindruck, Aepfel⸗ Birnen⸗, Kirſchen⸗ und Pflaumenbäume gepflanzt, wo er gerade Platz fand, und hier und da ſeinen Gemüſe⸗ beeten den Lurus der Blumenrabatten geopfert. Eine Schweſter der Najade im Hof war von Himbeer⸗ und Stachelbeerſträuchern faſt überwuchert, aber ſie hatte ſich in ihr Schickſal zu finden gewußt, ihren Kopf behalten, und plauderte in ſtiller Nacht geſchwätzig von der guten alten Zeit.
So hatte von dem Rieſenwalle, der aus der grauen Heidenzeit ſtammte, bis zu den Spargelbeeten, die geſtern angelegt waren, ſeit einem Jahrtauſend jede Generation etwas zur Befeſtigung, Verſchö⸗ nerung oder Verbeſſerung dieſes Wohnſitzes beigetragen. Vieles war ſpurlos verſchwunden, Vieles hatte ſich erhalten; Altes hatte der Zeit geſpottet, Neues war mit der Zeit alt geworden; aber da ſelbſt das Aelteſte die Spuren des Lebens, der fortdauernden Nutzbarkeit trug, ſo war nirgends ein Sprung, ein Riß pemerkbar, und das Ganze machte den wohlthuenden Eindtuck, als ob es eben nicht anders ſein könnte. Zwar ſeinen primitiven Charakter hatte Schloß Grenwitz gänzlich eingebüßt, und wenn Oswald des Abends, von einem Spa⸗ ziergang mit ſeinen Zöglingen zurückkommend, auf einer Stelle des Wolles ſtehen blieb, von der er den ſchattigen, grasbewachſenen Hof, den blumenreichen Garten und das Schloß überblicken konnte, um deſſen graue Mauern das Zwielicht wogte und die ſchnellen Schwal⸗ ben zwitſchernd kreiſten, da glaubte er nicht die alte Stammburg fehdeluſtiger Barone, ſondern das ſtille Kloſteraſyl beſchaulicher Mönche vor ſich zu ſehen.
piertes Capitel.
Und ein ſtilles, klöſterlich ſtilles Leben war es denn auch— das Leben auf dem Schloſſe Grenwitz. Alle Unruhe, aller Lärm waren


