Vom Grafen Sollogub. 29
thümliche Erſcheinung kund, daß der Edelmann, ob⸗ gleich er ſelten ſeinen Namen richtig zu ſchreiben ver⸗ ſtand, doch in ſeiner Handlungsweiſe eine gewiſſe Ent⸗ ſchiedenheit des Willens und unerſchütterliche Redlichkeit zeigte, außerdem bewährte er nicht gerade aus logiſcher Ueberzeugung, ſondern mehr aus ſeltſamem Inſtinkt eine ſtarke Vorliebe ſür alle Inſtitutionen ſeines Va⸗ terlandes. Die alte Rohheit verſchwand nun zwar in der Folgezeit beim ruſſiſchen Adel, aber der Geiſt der Unentſchloſſenheit und des Zweifels nahm deſſen Stelle ein,— fürwahr ein beklagenswerthes Reſultat der Bildung, doch vielleicht unerläßlich, um deſto ſiche⸗ rer und zuverläſſiger zur Wahrheit zu gelangen.
Als der junge Edelmann Waßilij Jwanowitſch in ſein ſechzehntes Jahr getreten war, begab er ſich nach Kaſan, um dem Staate zu dienen, auch diente er in der Kanzlei des Statthalters kurze Zeit, aber mehr zum Staat, und wie man ſich noch heutzutage in den Gouvernements auszudrücken pflegt, pour le proform. Für den Militairdienſt verſpürte er wenig Neigung, während gänzliche Unthätigkeit ſeinen Fähigkeiten und Gewohnheiten vollkommen entſprach. In dieſer Periode ſeines Lebens koſtete er zuerſt die Genüſſe der Welt und
begann auf den Bällen eine Rolle zu ſpielen, nament⸗


