Teil eines Werkes 
13. Band, Humphry Klinkers Fahrten : Roman : 1. Band (1841) The expedition of Humphry Clinker
Entstehung
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172 die Pveſie der Alten, und einer von ihnen, ein ehemaliger Schul⸗ Proviſor, kramte ſeinen ganzen Schatz proſodiſcher Kenntniſſe aus, den er in Diſputer und Ruddimann zuſammengeſtoppelt hatte. Endlich wagte ich die Bemerkung, ich ſehe nicht ein, wie der fragliche Gegenſtand auf irgend eine Weiſe durch die Praxis der Alten beleuchtet werden könne, da dieſelben offenbar weder Reime noch reimloſe Verſe im angedeuteten Sinne gehabt, ſondern ihre Verſe nach Klangfüßen gemeſſen haben, während wir die unſrigen nach Sylben abzählen. Dieſe Einwendung ſchien dem Schulfuchs verdächtig; er hüllte ſich alsbald in eine Wolke von griechiſchen und lateiniſchen Citaten, welche Niemand zu zertheilen verſuchte. Sofort folgte ein verworrenes Gemurmel von abgeſchmackten Be⸗ merkungen und Erklärungen; überhaupt habe ich in meinem gan⸗ zen Leben keinen ſo langweiligen Abend zugebracht. Und dennoch waren ohne allen Zweifel einige gelehrte, witzige und ſogar geiſtreiche Köpfe in der Geſellſchaft. Da indeß keiner den andern anrühren mag, ſo ſollte zur Unterhaltung der Geſellſchaft jeder ſeine eigene Scheibe mitbringen und ſeine Pfeile nach derſelben abſchießen. Mein Oheim ſagt, er wünſche niemals mit mehr als Einem Genie zu gleicher Zeit in Geſellſchaft zu ſeyn. Ein

einziger Schöngeiſt iſt wie ein Hammelsknochen in der Suppe, ſie

bekommt einen guten Geſchmack davon; ſobald es aber mehrere ſind, ſo wird ſie verderbt. Und jetzt fürchte ich nur, ich habe Ihnen in dieſem gewiſſenlos langen Brief ein ſchales Gericht vor⸗ geſetzt, das gar keinen Geſchmack hat. Werfen Sie immerhin die Schüſſel an den Kopf Ihrem ergebenſten H. Melford.

London, den 5. Juni.