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frei ſey, und vielleicht iſt derſelbe ein weſenklicher Beſtandtheil unſerer Natur. Ich beſorge, wir bemänteln dieſes Laſter zuweilen unter dem ſcheinbaren Namen Nacheiferung. So habe ich einmal einen wahrhaft großmüthigen, menſchenfreundlichen und geſetzten Mann gekannt, der ſogar Selbſtverläugnung zu beſitzen ſchien, aber nicht einmal ſeinen Freund loben hören konnte, ohne Zeichen der Unbe⸗ haglichkeit blicken zu laſſen; gerade als ob das Lob eine gehäſſige Vergleichung zu ſeinem Nachtheile in ſich gefaßt hätte, und als ob jeder Lorbeer des Ruhms, den man in den Kranz des Andern flocht, ihm von ſeinen eigenen Schläfen geriſſen würde. Es iſt dieß eine häßliche Art von Eiferſucht, wovon mich, Gott ſey Dank, mein Gewiſſen frei ſpricht. Soll man es Laſter oder Schwachheit nennen, das laſſe ich Ihnen zu unterſuchen.
Es gibt noch einen andern Punkt, den ich viel lieber entſchie⸗ den ſehen möchte, ob nämlich die Welt von jeher ein ſo verächt⸗ liches Ding geweſen iſt, wie ſie mir im gegenwärtigen Augenblick vorkommt. Wenn die Sitten der Menfchen ſich in den letzten dreißig Jahren nicht außerordentlich verſchlechtert haben, ſo hat mich offenbar der gewöhnliche Fehler des Alters angewandelt: „difficilis, queruius, laudator temporis acti,“ oder was wohl wahrſcheinlicher iſt, die ſtürmiſchen Beſtrebungen und Beſchäfti⸗ gungen der Jugend haben mich damals verhindert, dieſe verderbte Seite der menſchlichen Natur zu bemerken, die meinen Augen jetzt ſo eckelhaft erſcheint.
Wir ſind bei Hofe, an der Börſe und überalt geweſen; allent⸗ halben finden wir Nahrung für den Spleen, aber auch Manches zum Lachen. Mein neuer Bedienter Humphry Klinker erweist ſich als ein großes Original, und Tabby iſt eine ganz andere Kreatur geworden. Sie hat ihren Joli weggeſchenkt und lächelt beſtändig, wie Malvoglio in der Komödie. Ich will mich hängen laſſen, wenn ſie nicht eine Rolle ſpielt, die ihr nicht vom Herzen geht, aber warum und weßwegen, habe ich noch nichſt ausfindig gemacht.


