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nicht wagen durfte. Vielleicht war ſie in dieſer Vorſicht von ihrer Mutter beſtätigt worden, die bei allen ihren Höflichkeiten gegen ihn wohlweislich eine gewiſſe ceremoniöſe Entfernung beobachtete. Sie
hielt ſolche ſowohl für das Beſte der Ehre ihres Hauſes, als auch
wegen ihrer Rechtfertigung nöthig, wenn man ihr je einmal den Vorwurf machen ſollte, daß ſie ihm in ſeinen unbedächtigen jugend⸗ lichen Aufwallungen Ermunterung oder Vorſchub geleiſtet habe. Aber ungeachtet dieſer verſtellten Zurückhaltung begegneten ihm Beide mit ſolcher Aufmerkſamkeit, daß er über ſeine Lage entzückt und von Tag zu Tag verliebter ward. Während er ſich unter dem
Einfluß dieſes ſüßen Zaubers befand, veranlaßte ſeine Abweſenheit
zu Wincheſter große Unruhe. Jolter war über ſeine plötzliche Ab⸗ weſenheit ſehr beſorgt. Er ängſtigte ſich darüber um ſo mehr, als er lange vor derſelben eine mächtige Anwandlung von Trübſinn an ſeinem Pflegbefohlenen wahrgenommen hatte. Er entdeckte dieſe Beſorgniſſe dem Rektor der Schule. Dieſer gab ihm den Rath, dem Commodore das Verſchwinden ſeines Neffen zu melden, und zugleich in allen Wirthshäuſern der Stadt nachfragen zu laſſen, ob er Pferde, oder irgend ein Fuhrwerk zum Fortkommen gemiethet habe, oder ob ihm unterwegs Niemand begegnet ſey, der über ſeine Reiſetour Auskunft geben könnte.
So ſtreng man auch bei dieſen Nachforſchungen zu Werke ging, ſo waren ſie doch insgeſammt vergeblich. Nirgends ſtieß man auf eine Nachricht von dem Flüchtling. Sir Trunnion ward über die⸗ ſes Davonlaufen nicht wenig erbittert. Er tobte mit großer Wuth über Peregrine's Unbedachtſamkeit, den eèr in der erſten Hitze als einen undankbaren Ausreißer verdammte. Dann fluchte er auf
Hatchway'n und Pips, die durch ihre verderblichen Rathſchläge den
Jungen in den Grund geſenkt hätten. Endlich ſchüttete er alle Flüche über Joltern aus, daß er nicht beſſer Achtung gegeben habe, und zuletzt ſchimpfte er über ſein vermaledeites Zipperlein, das ihn ietzt unfähig mache, den Reffen in Perſon aufzuſuchen.


