145
ſetzte ihn in eine Verwirrung, die einen auffallenden Einfluß auf ſein Betragen äußerte. Er ward nachdenkend, mürriſch, blieb immer für ſich allein, mied alle öffentlichen Luſtbarkeiten, und ward in ſeiner Kleidung ſo nachläßig, daß ihn ſelbſt oft ſeine beſten Freunde kaum wieder erkannten.
Dieſer Gedankenſtreit währte mehrere Wochen hindurch. Nach deren Verfluß behielten Emiliens Reize die Oberhand. Er hatte in der Zeit vom Commodore, der ſich ſehr freigebig gegen ihn zeigte, einen Zuſchuß an Geld erhalten, und deßhalb befahl er dem Pips, einige Wäſche und andere nothwendige Eyforderniſſe in eine Art von Schnappſack zu ſtecken, den dieſer ſehr bequem tragen konnte. Als dieß geſchehen war, machte er ſich eines Morgens früh zu Fuße mit ſeinem Bedienten nach dem Dorfe auf, wo ſeine Geliebte weilte, und langte daſelbſt um zwei Uhr Nachmittags an. Er hatte dieſe Art zu reiſen deßhalb erwählt, damit man ſeine Route nicht ſo leicht entdecken möchte, als es geſchehen konnte, wenn er ſich eines Pferdes oder der Landkutſche bedient hätte. Sein erſtes Geſchäft war jetzt, ſich in dem Wirthshauſe, wo er zu Mittag ſpeiste, ein bequemes Logis auszumachen; dann kleidete er ſich um, und begab ſich, der erhaltenen Weiſung gemäß, nach dem Hauſe der Miſtriß Gauntlet. Auf dem Wege ſchwelgte er in den ſüßeſten Hoffnungen. Als er ſich ihrer Wohnung näherte, wuchs der Aufruhr in ſeinem Innern. Mit Ungeduld und Kümmerniß klopfte er an; die Thüre ward geöffnet. Er hatte ſchon haſtig gefragt, ob Miſtriß Gauntlet zu Hauſe ſey, noch ehe er bemerkte, daß die Pförtnerin Niemand anders war, als ſeine theure Emilie. Sie blieb bei dem unerwar⸗ teten Anblick ihres Geliebten nicht unerſchüttert.
Kaum hatte er ſie erkannt, ſo folgte er dem unwiderſtehlichen Triebe ſeiner Leidenſchaft, und ſchloß das zauberiſche Geſchöpf in ſeine Arme. Dieſer kühne Schritt ſchien ſie nicht zu beleidigen. Ein Mädchen von mehr Zurückhaltung oder von mehr ſteifer Er⸗ ziehung würde darüber zornig geworden ſeyn. Aber der zwangloſe
Smollet's Romane. VIII. 10


