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Seine Mäßigung war nicht ſo groß wie ſein Glück; ſeine Eitelkeit übernahm die Leitung ſeiner Leidenſchaften und zerſtreute ſeine Aufmerkſamkeit, die er ſonſt auf einen einzigen Gegenſtand möchte gerichtet haben. Es ergriff ihn eine wahre Wuth, die Zahl ſeiner Eroberungen zu vermehren. In dieſer Abſicht frequentirte er alle öffentlichen Promenaden, Concerte und Aſſembleen, trug ſich immer nach der neueſten Mode, gab den Damen Soirée's und gerieth in die größte Gefahr, ein ausgemachter Modelöwe zu werden.
Während nun ſein Ruf zwiſchen der Verſpottung Einiger und der Achtung Anderer mitten inne ſchwebte, ereignete ſich ein Vorfall, der ſeine Aufmerkſamkeit auf Einen Gegenſtand hinlenkte, und ihn dadurch von jenem nichtigen Treiben abzog, welches ihn mit der Zeit in einen Abgrund von Thorheit und Verachtung geſtürzt haben würde. Als er ſich eines Abends auf dem Balle befand, der zur Zeit der Wettrennen den Damen gegeben wird, trat der Ceremonien⸗ meiſter bei dem Feſte, welcher wußte, wie begierig Pickle nach jeder Gelegenheit haſchte, ſich zeigen zu können, zu ihm, und ſagte ihm: „Am andern Ende des Saales ſäße eine ſchöne junge Dame, die große Luſt zu haben ſchiene, eine Menuett zu tanzen; es fehle ihr jedoch an einem Tänzer, indem der Herr, der ſie begleitet habe, in Stiefeln wäre.“
Durch dieſen Wink ward Peregrine's Eitelkeit rege gemacht. Er ging hin, die junge Dame in Augenſchein zu nehmen, und fühlte ſich von ihrer Schönheit hingeriſſen. Sie ſchien in gleichem Alter mit ihm zu ſtehen. Ihr Wuchs war ſchlank, ihr Bau zwar ſchwach, dennoch aber vortrefflich; ihr Haar dunkelbraun und in ſo reichlicher Fülle, daß die unbarmherzige Hand der Kunſt es nicht hatte hindern können, von beiden Seiten ihre hohe und zierliche Stirne zu be⸗ ſchatten. Ihr Geſicht war länglich-rund und die Naſe ein wenig adlerförmig gebogen, was das Geiſt- und Würdevolle ihres Aus⸗ ſehens erhöhte. Ihr Mund war klein, die Lippen völlig, friſch, wolluſt⸗ athmend, die Zähne regelmäßig geordnet und weiß wie friſchge⸗


