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verholfen haben würden, ihrer Eheloſigkeit ein Ziel zu ſetzen, und dieß um ſo mehr, inſofern ſie nie eine Averſion gegen das Heirathen zu erkennen gegeben. Doch, wie es ſcheint, ſo war ſie ein wenig zu delikat in ihrer Wahl, um eine Partie nach ihrem Geſchmack in der Cith zu finden; denn ich kann mir nicht vorſtellen, daß es
ihr an Bewerbungen gefehlt hätte, obwohl die Reize ihrer Perſon
eben nicht bezaubernd und ihr Betragen und Weſen eben nicht ſon⸗ derlich angenehm waren. Außer einer bleichen(ich will nicht ſagen fahlen) Geſichtsfarbe, die vielleicht von ihrem Jungfrauenſtande und von ihrem Kaſteien herrührte, hatte ſie einen gewiſſen traverſen
oder obliquen Wurf oder Fall in ihren Augen, der gerade nicht
die einnehmendſte Wirkung hervorbrachte. Auch war ihr Mund von ſo erſtaunlichem Umfang, daß weder Künſte noch Zwangmittel aus⸗
reichten, ihn zu einer proportionirlichen Ausdehnung zuſammenzu⸗
ziehen. Uebrigens war ihre ganze Natur eigentlich mehr ſtörriſcher und grämlicher als hingebender Complerion, und ihre ſcheinbare Demuth hinderte ſie nicht, in Reden und Geberden ein gewiſſes
hochfahrendes Weſen zu äußern, und gegen Andere mit ſichtlicher
Selbſtgefälligkeit das Anſehen und die Ehrenhaftigkeit ihrer Familie herauszuſtreichen, welche ſich, beiläufig bemerkt, mit aller Hülfe der Heraldik und Ueberlieferung nicht weiter als auf zwei Generationen zurückführen ließ.
Allen Ideen, die ſie gehabt hatte, ehe ihr Vater die Sherifs⸗ würde erlangte, ſchien ſie völlig entfagt zu haben; und der große Moment, von dem ſie alle ihre Bemerkungen datirte, war die Lord⸗ mayorſchaft ihres Vaters. Dabei war das ehrenhafte Fräulein für
die Aufrechthaltung und Fortpflanzung ihres Familiennamens der⸗
geſtalt beſorgt, daß ſie mit Unterdrückung aller eigenſüchtigen Mo⸗ tive ihren Bruder überredete, ſeine angebornen Neigungen zu
bekämpfen und dermaßen zu beſiegen, daß er ſich wirklich in die
Perſon, die er ſpäter heirathete, verliebt ſtellte, wovon wir ſpäter ausführlicher hören werden.


