Das Pathos, welches in dieſer Apoſtrophe des ſterbenden Vaters lag, verfehlte nicht die Wirkung auf ſeinen künftigen Repräſentanten, welcher ſich aus allen Kräften anſtrengte, dem letzten Willen des Verſcheidenden nachzukommen. Indeß wollte es ihm trotz aller An⸗ ſtrengungen doch nicht gelingen, das ihm vorgeſteckte Ziel zu erreichen. Fünfzehn lange Jahre ſchund und plagte er ſich herum, und ſah ſich nach Verlauf dieſer Zeit um fünfzehntauſend Pfund ärmer, als in dem Moment, wo er die Erbſchaft ſeines Vaters angetreten hatte.
Dieſen Umſtand zog er ſich dermaßen zu Gemüthe, daß er am Ende gar keine rechte Luſt mehr zu Handelsgeſchäften fühlte, ſondern die Neigung empfand, ſich ganz von der Welt zurückzuziehen, um irgend ein ſtilles Aſyl zu fuchen, wo er in Muße ſeine Unglücksfälle beweinen, und ſich durch ſtrenge Diät vor Mangel und Kerker ſichern könnte. Unter den mancherlei Schreckbildern, welche ſeiner Phantaſie täglich zuſetzten, ſpielte das Gefängniß die erſte Rolle. Oft ſprach er davon, daß er wohl am Ende gar noch dem Kirchſpiel zur Laſt fallen würde, wobei er jedoch dem Himmel dankte, daß er durch ſeine gute Haushaltung auf eine ſolche Unterſtützung die gerechteſten An⸗ ſprüche habe. Kurz, er beſaß eigentlich von Natur kein rechtes Talent zur Thätigkeit, wobei es ihm zugleich auch an Unternehmungsgeiſt fehlte; und noch außerdem hatte ſein ganzer Charakter keine feſte Conſiſtenz. Denn bei allem Verlangen, ſo viel als möglich Schätze zuſammenzuſcharren, laſtete doch eine gewiſſe Trägheit und Verdroſſen⸗ heit auf ihm, über welcher er ſtets die beſten Spekulationen vergaß. Der geſcheidte Kopf nützt den rechten Augenblick. Gamaliel beſaß Eigenſchaften, aus denen das Genie die größten Vortheile gezogen haben würde. Aber er wußte immer des Ueberlegens kein Ende zu ſinden, und vor lauter Bedachtſamkeit, Angſt und Furchtſamkeit konnte er in keiner Sache zu einem Entſchluß kommen Dumm war alſo unſer Held keineswegs; aber aller Wahrſcheinlichkeit nach hatte die Natur
ſeinem Temperamente wenig oder gar keinen Zündſtoff beigegeben;
oder hatte ſie ihn mit einem guten Funken bedacht, ſo war doch


