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verſtand er es nicht, zu der Faſſungskraft ſeiner Zuhörer ſich herabzuſtimmen. Dieſe Eigenthümlich⸗ keit zeigte ſich gleich am erſten Sonntage, an wel⸗ chem er zum erſten Male die Kanzel beſtieg und ſeine erſtaunte Gemeinde mit einer Predigt über⸗
raſchte, in welcher er auf höchſt effectvolle Weiſe
die Pelagianiſche“) Ketzerei zu Boden donnerte. Seine Zuhörer hatten allerdings nie zuvor etwas Dergleichen vernommen; aber zu was diente es? Er hatte Daſſelbe zuvor mit großem Erfolge vor den Notabilitäten der Univerſität gepredigt, und zweifelte deßhalb keinen Augenblick, daß es für die ehrbaren Pächter und einfachen Landleute von Plar⸗ ted eben ſo belehrend ſei. Wenn dieſe aber auch die Gelehrſamkeit ihres etwas excentriſchen Geiſt⸗ lichen nicht zu ſchätzen vermochten, ſo lernten ſie dafür bald ſeinen wohlwollenden Charakter als Menſch und ſeine Rechtlichkeit als Friedensrichter würdigen, in welch letzterer Eigenſchaft er übrigens nicht ſehr häufig in Anſpruch genommen wurde,
wie wir der Wahrheit gemäß hinzufügen müſſen.
Das Hauptvergehen, wovon er Kenntniß zu nehmen hatte, war der Schleichhandel, der übrigens in Kent niemals für ein großes Unrecht angeſehen wurde. Nichtsdeſtoweniger beſchloß er, demſelben ein Ende zu machen, weil er dieß für ſeine Pflicht hielt, ohne dabei entfernt eine Ahnung zu haben,
Pelagius, eigentlich Morgan, ein engliſcher oder ſchottiſcher Mönch, der im fünften Jahrhundert lebte und die Behauptung aufſtellte: der Menſch könne nicht nur in dieſem Leben ohne Sünde ſein, ſondern auch durch ſeine eigene Kraft zur Seligkeit gelangen. D. B.


