29
„War eine Cokette, wenn nicht gar etwas Schlim⸗ meres,“ antwortete die Gräfin ſcharf.
„Anna?“ ſagte Alice.
„War eine gutmüthige Perſon, die es duldete, daß die Herzogin von Marlborough ſie mit eiſerner Ruthe lenkte, und welche es ſich gefallen ließ, aus der Sclaverei einer Günſtlingin in die einer andern überzugehen. Gerade der Name, den Du genannt, beweist das, was ich ſagte. Wäre Anna nicht die Selavin ihrer blinden Neigung geweſen, ſo würde der große Herzog nie zurückberufen worden ſein; Frankreich wäre gedemüthigt und der Friede dictirt und nicht auferlegt worden. Es iſt nur Schade, daß ſie nicht eben ſo viel Vorliebe für das eigene Blut, wie für Fremde hatte. Wäre ich Königin geweſen, ſo wäre mir mein Bruder auf dem Thron gefolgt und nicht ein Fremdling.“
„Ich glaubte, Tante,“ bemerkte der Baronet, den die kühne und ſcharfe Beurtheilung der Vergangen⸗ heit von Seiten der alten Dame frappirte,„daß Sie Frauen in der Politik für unfähig erklärten; aber wie mir ſcheint, ſo würden Sie wenigſtens eine Ausnahme gemacht haben.“
„Vielleicht doch nicht, Allan, denn die beſten unter uns haben ihre ſchwachen Stellen im Herzen. Doch laſſen wir dieß dahin geſtellt. Was wird denn jetzt 1 Schachzug in der gegenwärtigen Tragödie ein?“
„Wir marſchiren nach England.“
„Und was glaubt ihr denn dort für einen Fang zu machen?“
D
„Die Regierung des Uſurpators iſt gelähmt und


