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ſeiner Worte ihr vollkommen klar wurde, ergoß ſich eine leichte Röthe über ihr Geſicht. Der Sohn hatte für ſeinen verbannten Vater geſprochen.
Das Glück, das ſich genau beſchreiben läßt, iſt kein wahres Glück. Gleich dem Wohlgeruch der Blume entſpringt es aus zu geheimnißvollen Quellen, als daß es ſich analyſiren ließe,— hundert zarte Sympathien und Regungen ſind ſeine Schöpfer,— Reinheit muß es heiligen und gegenſeitiger Glaube ſein feſtes Siegel auf das Band drücken; ohne dieſe artet es in Leidenſchaft aus.
Zehn oder zwölf Tage nach ihrer Vermählung trafen ſich die beiden Freunde— dem Herzen nach Brüder— und deren junge Gattinnen in demſelben Hotel in Paris, wo ſie zuſammen wohnen blieben, ohne andere Geſellſchaft aufzuſuchen oder bei ſich zu
ſehen,— ein Grundſatz, von dem ſie nur zu Gunſten
ihres alten Freundes Carlo, des Malers— durch Beſchluß der Rota jetzt Fürſt Cäſarini— eine Aus⸗ nahme machten.
Alles, was Reichthum, Intrigue, Familieneinfluß vermögen, war in Bewegung geſetzt worden, um die Nachforſchung zu vereiteln; aber vergebens. Der alte römiſche Advocat ließ ſich weder irre leiten, noch beſtechen. Der regierende Pontifer, Gregor XVI., welche politiſche Irrthümer er auch begangen haben mochte, war ein ſtrenger Freund der Gerechtigkeit,
und der arme verlaſſene junge Mann, der ſeine pre⸗
käre Exiſtenz durch den Verkauf ſeiner Zeichnungen im griechiſchen Caffeehaus gefriſtet hatte, war in die Titel und die Erbſchaft wieder eingeſetzt worden,


