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daß das Band geknüpft werde, vor welchem dieſelbe einen ſo großen Widerwillen an den Tag gelegt hatte.
Tag für Tag mußte das Unwohlſein der un⸗ glücklichen Mutter als Entſchuldigung bei Philipp für die Abweſenheit Bianca's dienen. Man mußte ihn um ſeiner ſelbſt willen täuſchen, denn obgleich er raſch der Reconvaléscenz entgegenging, ſo befürch⸗ tete der Arzt doch einen Rückfall, wenn der Kranke nicht auf die möglichſte Weiſe geſchont werde.
Wie eigenthümlich iſt das menſchliche Herz be⸗ ſchaffen,— klein genug, um in der Bruſt ſchlagen zu können und doch wieder groß genug, um die ganze Menſchheit mit ſeiner Liebe zu umfaſſen. Die ganze Philoſophie kann ſeine wunderbare Tiefe nicht ergründen und die Wiſſenſchaft ſein geheimes Wirken nicht erklären. Es iſt das klügſte Ding in der Na⸗ tur,— ſiegreich, wenn es mit der einfachen, geſunden Vernunft zu thun hat,— ober leicht beſiegt, ſobald es in Conflict mit der Neigung geräth: ſeine Schwäche beweist zuweilen ſeine Stärke; ſeine Stärke ſeine Schwäche.
Es iſt zugleich Wiege und Grab,— die Geburts⸗ ſtätte der Leidenſchaften, welche erheben oder ernied⸗ rigen, je nachdem dieſelben gut oder ſchlecht ſind. Man kann nicht argwöhniſch genug ſeine Bewegun⸗ gen bewachen oder mit zu eiferſüchtiger Sorge die⸗ ſelbe analyſiren,— es iſt die Vorrathskammer, aus welcher die Einbildungskraft helle oder düſtere Ge⸗ bilde ſchöpfte, welche die wachenden Träume der Jugend erfüllt,— das Grab, in welchem das nüch⸗ terne Mannesalter ſie vergräbt, indem ſie nur eine traurige Erinnerung als ihr Monument hinterlaſſen.


