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Achtzehntes Kapitel.
Das Entkommen ihrer Nichte vermehrte wo mög⸗ lich noch den Haß, den Martha gegen die Häuſer⸗ bewohner hegte. Schon längſt betrachtete ſie ſich als das Mitglied einer verfolgten Race, und wahr⸗ ſcheinlich nicht ohne einen Anſchein von Grund; denn im Ganzen läßt ſich das Recht der Geſellſchaft, die⸗ jenigen zu ſtrafen, welche ſie noch niemals zu beſſern verſucht hat, wohl in Frage ſtellen.
Die alte Frau ſaß noch immer ihrem Karren ge⸗ genüber, indem ſie ihren gebeugten Körper in wellen⸗ förmiger Bewegung hin und her wiegte, nicht un⸗ ähnlich einer Schlange, ehe dieſe auf ihr Opfer los⸗ ſchießt. Zuweilen murmelte ſie Worte, die man wohl für Verſe hätte halten können, in ihrem rumäniſchen Rothwelſch vor ſich hin. Höchſt wahrſcheinlich waren es Verwünſchungen, denn ſie ſchienen einen beſänf⸗ tigenden Einfluß auf ſie zu üben.
Plötzlich hörte dieſe Bewegung auf und die ſchwar⸗ zen, tiefliegenden Augen der Zigeunerin wandten ſich dem ſchmalen Feldwege zu, der nach dem Waolde führte. Ihr ſcharfer Gehörſinn hatte den Schall na⸗ hender Fußtritte vernommen und der Ausdruck ihres Geſichts wurde noch ſtarrer als zuvor.
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