Der Graf empfieng die jungen Männer ſo warm und herzlich, als wenn ſie ſeine Söhne geweſen wären. Namentlich war er gegen ſeinen Neffen außerordentlich liebreich, deſſen edles und uneigen⸗ nütziges Benehmen er längſt würdigen zu lernen Ge⸗ legenheit gefunden hatte.
„So lang ich lebe, mein lieber Junge,“ ſprach er,„muß ich Herr von Burg-Hall bleiben; aber Sie ſollen eine ſolche jährliche Rente erhalten, wie ſie ſich für meinen Erben geziemt.“
„Für Ihren Erben?“ rief der junge Mann im Tone ungekünſtelten Erſtaunens;„Sie vergeſſen, daß Sie ein Kind haben, welches—“
„Weiblichen Geſchlechts iſt,“ unterbrach ihn ſein Onkel, der ſelbſt von einem ſo nahen Verwandten die Frage der Legitimität nicht in Anregung gebracht zu ſehen wünſchte.„Sie ſchulden mir keinen Dank,“ fuhr er fort;„die Erbfolge iſt ſo genau vorgeſchrie⸗ ben, daß ſie nur auf die männliche Linie übergehen kann; die Gräfin und ich ſind reich genug, um Nancy und deren Gatten auch ohne die Güter glück⸗ lich zu machen. Wer weiß,“ fuhr er, ſeinem Ideen⸗ gange folgend, fort,„ob nicht den rivaliſirenden Anſprüchen auf Dankbarkeit eines Tages durch eine Verbindung Ihrer Nachkommenſchaft mit meinem Enkelkinde Genüge geſchehen kann.“
„Mögen ſich Ihre Worte als Prophezeihung bewähren!“ rief der junge Mann mit Herzlichkeit.
Viele Jahre nach den Ereigniſſen, welche wir im Laufe unſerer Erzählung mitgetheilt haben, ver⸗ wirklichte ſich dieſer ſo ſehnlichſt gewünſchte Traum


