Teil eines Werkes 
2. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

39

Der Knabe gab ſie ihm. Er war von Natur aus nicht rachſüchtig und überhaupt von Seiten ſei⸗ nes Verwandten die Zornausbrüche und Anfälle trun⸗ kener Leidenſchaftlichkeit zu ſehr gewöhnt, um auf die gefallenen Worte ſonderlich Acht zu haben. Er ver⸗ gab ihm ſogar— oder vergaß wenigſtens die Schläge, die er erhalten hatte.

Am Morgen war wie gewöhnlich Jack zuerſt auf, um Feuer anzumachen und die Stube zu kehren. Nach ihm kam Lilly. Ihr Geſicht war ungewöhnlich bleich, und ihre rothen Augen zeigten, daß ſie viel geweint hatte. Als ſie ihres Beſchützers anſichtig wurde, eilte ſie auf ihn zu und umſchlang ihn mit ihren Armen.

„Biſt Du beſchädigt?“ fragte ſie.

„Nein,“ entgegnete der Knabe.„Behüt' mich, ich könnte eine doppelte ſolche Tracht aushalten; aber es wird nicht wieder vorkommen. Mike war betrunken.“

Die Kleine ſchauderte bei dem Namen.

„Ich ſag' Dir, er thut's nicht wieder, Lilly,“ flüſterte der Knabe;„und was noch mehr iſt, ich laſſe Dich nicht mehr ällein. Du brauchſt Dich nicht zu fürchten, wenn ich bei Dir bin.“

„Oh nein,“ rief das hilfloſe Weſen erfreut. „Aber er ſchickt Dich vielleicht wieder fort, und dann—“

„Wenn er's thun will, ſo geh' ich nicht,“ unter⸗ brach ſie ihr Vertheidiger kühn.„Lilly,“ fügte er bei,„willſt Du mir nicht das Gebet von geſtern wieder ſagen? Ich will verſuchen, es Dir nachzu⸗ ſprechen. Wenn ich es auch nicht ganz begreife, ſo