372 König Lear⸗
Peg. Doch fandet Ihr nie meines Bruders Weg
Zu der verbotnen Staͤtte?— n 1
Edm. Falſcher Argwohn! Reg. Ich furcht', Ihr ſeyd mit ihr ſchon längſt vereint Auf's innigſte, ſo viel es möglich iſt. Edm. Nein gnaͤd'ge Frau, auf Ehre. Reg. Sie iſt mir unertraͤglich; theurer Lord,
Seyd nicht vertraut mit ihr.
Edm. Das fuͤrchtet nicht,
Sie und der Herzog, ihr Gemal—. (Albanien, Goneril und Soldaten treten auf.) Gon.(beiſeit.) Eh' daß mir dieſe Schweſter ihn ent⸗
fremdet,
Mocht' ich die Schlacht verlieren.
Alb. Verehrte Schweſter, ſeyd uns ſehr willkommen.—
Man ſagt der Koͤnig kam zu ſeiner Tochter
Mit andern, ſo die Strenge unſrer Herrſchaft
Zur Klage zwang. Ich war noch niemals tapfer
Wo ich nicht ehrlich konnte ſeyn: Wir fechten,
Weil Frankreich unſer Land hier uͤberzog,
Nicht weil's dem Koͤnig hilft, ſammt jenen, welche
Aus trift'gem Grunde, fuͤrcht' ich, mit ihm halten.
Edm. Ihyr ſprecht ſehr tugendlich. Reg. Wozu dies Kluͤgeln? Gon. Dem Feind' entgegen ſteht vereint zuſammen:
Fuͤr dieſen haͤuslichen beſondern Zwiſt
Iſt jetzt nicht Zeit.
Alb. So laßt uns denn den Rathſchluß
Mit Kriegserfahrnen faſſen, was zu thun.
Edm. Gleich werd' ich bei Euch ſeyn in Eurem Zelt.
Reg. Ihr geht doch mit uns, Schweſter?
Gon. Nein.
Reg. Der Wohlſtand fordert's, bitt' Euch, geht mit uns.
Gon.(beiſeit.) Oho, ich weiß das Raͤthſel. Ich will gehn. (da ſie gehen wollen, kommt Edgar verkleidet.)
Edg. Sprach Euer Gnaden je ſo armen Mann,
Goͤnnt mir ein Wort.
Alb. Ich will Euch folgen; redet!—
(Edmund, Regan, Goneril und Gefolge gehen ab.)


