Sz. 2. Koͤnig Lear. 331
und zur Beſtätgung, ich ſey groͤß'res als
Mein aͤuß'rer Schein, empfangt die Boͤrſ' und nehmt Was ſie enthäͤlt. Wenn Ihr Cordelien ſeht,
(Und daran zweifelt nicht) zeigt ihr den Ring,
Und nennen wird ſie Euch den Freund, deß' Namen Euch jetzt noch unbekannt. Hu, welch ein Sturm!— Ich will den König ſuchen.
Ritter. Gebt mir bie Habt Ihr nicht mehr zu agen? Rent. Nicht viel, doch, in der That, das Wichtigſte: Dies, wenn den Koͤnig wir gefunden. Ihr Geh't dieſen Weg, ich jenen: wer zuerſt Ihn antrifft, ruf' dem Andern zu. (ſie gehn von verſchiedenen Seiten ab.)
8 w i Eine andere Gegend auf der Haide. (Noch immer ungewitter. Es treten auf Lear und der Narr.)
Lear.
Blaſ't, Wind' und ſprengt die Backen! Wuͤthet! Blaſ't!— Ihr Cataract' und Wolkenbruͤche, ſpei't,
Vis ihr die Thuͤrm' erſäuft, die Hähn ertraͤnkt!
Ihr ſchwefligten, gedankenſchnellen Blitze,
Vortrab dem Eichenſpaltenden Donnerkeil,
Verſeng't mein weißes Haupt! Du Donner alkzerſchmetternd, Schlag' flach das maͤcht'ge Rund der Welt; zerbrich
Die Formen der Natur, vernicht' auf Eins
Den Schöpfungskeim des undankbaren Menſchen.
Marr. Ach Gevatter, Hofweihwaſſer in einem trocknen Hauſe iſt beſſer, als dies Regenwaſſer draußen. Lieber Ge⸗ vatter, hinein und bitt' um deiner Töchter Segen; das iſt 1 Nacht, die ſich weder des Weiſen noch des Thoren er⸗ armt. 5
Lear. Raßle nach Herzens Luſt! Spei' Feuer, fluthe
Regen;


