Teil eines Werkes 
Achter Theil (1832) Die lustigen Weiber von Windsor
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die luſtigen Weiber A. II.

Falſt. Zum Henker mit dem armen Teufel von Hahnrei! Ich kenne ihn nicht: indeß, ich thue ihm Unrecht, wenn ich ihn arm nenne; man ſagt, der eiferſuchtige behornte Kerl hat ganze Haufen Gold: und darum kommt mir ſeine Frau auch ſe vor. Sie ſoll mir den Schluͤſſel zu des Hahnreis

eldkaſten ſeyn; dort will ich mein Erndtefeſt halten.

Fluth. Ich wollte, Ihr kenntet Fluth, damit Ihr ihm ausweichen koͤnntet, wenn Ihr ihn ſaͤhet.

Falſt. Zum Henker mit dem kuͤrgerlichen buttermilchigen Schuft! Ich will ihn mit meinen Augen durchbohren, daß er von Sinnen kommen ſoll: ich will ihn in Reſpect er⸗ halten mit meinem Pruͤgel: wie ein Meteor ſoll der uber des Hahnreis Hoͤrnern ſchweben: ja, Herr Bach, du ſollſts erleben, ich triumphire uͤber den Flegel, und du ſchlafſt bei ſeiner Frau. Komm nur gleich auf den Abend zu mir: Fluth iſt ein Schuft, und ich will ſeine Titel noch weitlaͤuftiger machen: du, Herr Bach, ſollſt ihn als Schuft und Hahnrei begruͤßen. Komm nur gleich heut Abend zu mir.

(geht ab.)

Fluth. Was fuͤr ein verdammter epicuraiſcher Schurke das iſt! Mein Herz moͤchte vor Ungeduld zerſpringen. Wer will nun noch ſagen, dies ſey unzeitige Eiferſucht? Meine Frau hat zu ihm geſchickt, die Stunde iſt beſtimmt, der Han⸗ del geſchloſſen: wer hätte ſo etwas denken ſollen! da ſeht, welche Hölle es iſt, ein falſches Weib zu haben! Mein Bett ſoll entehrt, meine Koffer gebrandſchatzt, mein guter Name zernagt werden: und nicht genug, daß ich dieſe nichtswuͤrdige Kraͤnkung erdulde, ſoll ich mich noch mit den verruchteſten Benennungen ſchelten laſſen, und zwar von eben dem, der mir dieſen Schimpf anthut. Und welche Namen! welche Titel! Amaimon klingt gut; Lucifer gut, Barbaſon gut, und doch ſind es Teufelstitulaturen, die Namen boöſer Geiſter: aber Hahnrei? Hoͤrnertraͤger? Der Teufel ſelbſt fuͤhrt nicht ſolche Namen. Page iſt ein Eſel, ein ſorgloſer Eſelt er verlaͤßt ſich auf ſeine Frau: er weiß nichts von Eiferſucht. Lieber will ich einem Holländer meine Butter, Pfarrer Hugh, dem Walliſer, meinen Käſe, einem Irlaͤnder meine Aquavit⸗ flaſche, und einem Diebe meinen Wallach, den Paßgänger zu reiten anverkrauen, als meine Frau ſich ſelbſt. Da caba⸗ lirt, da ſinnt und gruͤbelt ſie: und was ſie in ihrem Her⸗ zen beſchließen, das muͤſſen ſie ausfuͤhren, und ſollte ihr Herz daruͤber brechen, ſie muͤſſens ausführen. Dem Him⸗ mel ſey Dank fuͤr meine Eiferſucht! Um Eif iſt die Stunde: