354 Troilus und Creſſida. A. V.
So gnaͤdig ſeyd, den Jammer zu verkuͤrzen, Und zoͤgert nicht mit ſicherm Untergang. Aen. Mein Prinz, das ganze Heer entmuthigt Ihr! Troil. Ihr faßt nicht meinen Sinn, wenn Ihr ſo ſprecht.
Ich rede nicht von Furcht, von Flucht, noch Tod;
Trotz biet' ich allem Grau'n, womit die Goͤtter
Und Menſchen noch bedrohn.— Hector dahin!—
Wer ſagt es Priam? Wer der Hechba?
Wer hat den Muth, als maͤcht'ge Eule kraͤchzend
In Troja zu verkuͤnden: Hector fiel?
Solch Wort verwandelt Priamus in Stein,
In Quell'n und Niobe's Jungfrau'n und Weiber,
Zuͤngling' in Marmorbilder, und entſetzt
Troja zum Wahnſinn. Auf denn, Freunde, fort!
Hector iſt hin! das iſt das Todeswort.
Doch halt! Ihr ſchnoͤden, gottverhaßten Zelte
So ſtolz gereiht auf unſ'rer phryg ſchen Flur,—
Erhebe Titan ſich ſo fruͤh er mag,
Ich ſturm' Euch durch! Und du, feigherz'ger Rieſe,
Fein Erdenraum ſoll trennen unſern Haß:
Dir jag' ich, wie dein bos Gewiſſen nach,
Das Larven ſcheußlich weckt wie Fieberwahnſinn.—
Schlagt raſch den Marſch zur Heimkehr; faßt Euch Herz,
Der Rache Wunſch betaubt den innern Schmerz. (Aeneas mit den Troern ab.)
(Pandarus kommt.)
Pand. Hoͤrt doch, mein Prinz! hoͤrt mich!—
Troil. Fort, kuppleriſcher Pandar! dein Gedaͤchtniß Sey ew'ge Schmach, und Schande dein Vermachtniß. (Troilus geht.)
Pand. Eine ſchöne Arznei fuͤr meine Gliederſchmerzen! O, Welt, Welt, Welt! ſo wird dein armer Unterhaͤndler verhoͤhnt! O Ihr Verfuͤhrer und Kuppler, wie eifrig nimmt man Eure guten Dienſte in Anſpruch, und wie ſchlecht lohnt man Euch! Warum ſind unſte Bemuͤhungen ſo ge⸗ liebt, und unſer Ausgang ſo getruͤbt? Welchen Denkreim giebts dafuͤr? Welch Gleichniß? Laß ſehn:—
Recht luſtiglich ſummt Euch das Bienchen vor, So lang' es Waff' und Honig nicht verlor: Doch iſt ſein ſcharfer Stachel erſt heraus,
Iſts mit dem ſuͤßen Ton und ſuͤßen Honig aus.


