330 Maaß fuͤr Maaß. A. III.
Was du auch thuſt, den Bruder dir zu retten, Natur tilgt dieſe Suͤnde ſo hinweg, Daß ſie zur Tugend wird. Iſab. O Thier!
O feige Memm'! d treulos Ehrvergeßner, Soll meine Suͤnde dich zum Mann erſchaffen?— Iſts nicht blutſchaͤndriſch, Leben zu empfahn Durch deiner Schweſter Scm S muß ich
glauben? Hilf Gott! War meine Mutter falſch dem Vater? Denn ſolch' entartet wildes Unkraut ſproß Niemals aus ſeinem Blute. Dir entſag' ich, Stirb, fahre hin! Wenn auch mein Fußfall nur Dein Schickſal wenden moͤcht“, ich ließ es walten: Ich bete tauſendmal für deinen Tod, Kein Wort zur Rettung.
Claud. Schweſter, hoͤr' mich an. Iſab. O pfui, pfui, pfui!—
Dein Suͤnd'gen war kein Fall, war ſchon Gewerbe; Und Gnad' wuͤrd' an dir zur Kupplerin: Am beſten ſtirbſt du 9leich.
(will abgehn.)
Claud. O hoͤr' mich, Schweſter!— (Der Herzog kommt zurück.)
Berz. Vergoͤnnt ein Wort, junge Schweſter, nur ein einziges Wort.
Iſab. Was iſt Eu'r Wunſch?
Zerz. Wenn Eure Zeit es zuließe, haͤtte ich gern eine kurze Unterredung mit Euch: dieſe Gewaͤhrung meiner Bitte wuͤrde zugleich zu Euerm Frommen ſeyn.
Iſab. Ich habe keine uͤberfluͤſſige Zeit; mein Verweilen muß ich andern Geſchaͤften ſtehlen; doch will ich noch etwas verweilen..
Berz.(beiſeit zu Claudi.) Mein Sohn, ich habe mit angehoͤrt, was zwiſchen Euch und Eurer Schweſter vor⸗ ging. Angelo hatte nie die Abſicht ſie zu verfuͤhren; er hat nur einen Verſuch auf ihre Tugend gemacht, um ſein Ur⸗ theil uber das menſchliche Gemuͤth zu ſchaͤrfen. Sie, im wahren Gefuͤhl aͤchter Ehre, entgegnete ihm die fromme Weigorung, die er mit hoͤchſter Freude vernahm. Ich bin Angelo's Beichtiger, und weiß daß dieſes wahr iſt. Berei⸗ tet Euch deshalb auf den Tod: ſchmeichelt Eurer Stand⸗
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