Teil eines Werkes 
Dritter Theil (1830) König Richard der Dritte
Entstehung
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6 Koͤnig Richard

Clar. Wir kennen deinen Auftrag, Brakenbury, Und woll'n gehorchen. Gloſt. Wir ſind die Verworfnen Der Koͤnigin, und muͤſſen ſchon gehorchen. Bruder, lebt wohl! Ich will zum Koͤnig gehn, Und wozu irgend ihr mich brauchen wollt, Muͤßt' ich auch Eduards Witwe Schweſter nennen, Ich will's vollbringen, um euch zu befreyn. Doch dieſe tiefe Schmach der Bruͤderſchaft Ruͤhrt tiefer mich, als ihr euch denken koͤnnt. Clar. Ich weiß es, ſie gefaͤllt uns beiden nicht. Gloſt. Wohl, eur Verhaft wird nicht von Dauer ſeyn: ch mach, euch frey, ſonſt lieg' ich ſelbſt fur euch. Indeſſen habt Geduld. Clar. Ich muß; leb wohl! (Clarence mit Brakenbury und der Wache ab.) Gloſt. Geh nur des Wegs, den du nie wiederkehrſt, Einfaͤlt'ger Clarence! So ſehr lieb' ich dich,. Ich ſende bald dem Himmel deine Seele, Wenn er die Gab' aus unſter Hand will nehmen. Doch wer kommt da? der neubefreyte Haſtings? (Gaſtings tritt auf.) Zaſt. Vergnuͤgten Morgen meinem gnaͤd'gen Herrn! Gloſt. Das Gleiche meinem lieben Kaͤmmerer! Seyd ſehr willkommen in der freyen Luft. Wie fand eur Gnaden ſich in den Verhaft? Zaſt. Geduldig, edler Herr, wie man wohl muß; Doch hoff' ich denen Dank einſt abzuſtatten, Die Schuld geweſen ſind an dem Verhaft. Gloſt. Gewiß, gewiß! und das wird Clarence auch; Die eure Feinde waren, ſind die ſeinen, Und haben Gleiches wider ihn vermocht. Baſt. Ja leider wird der Adler eingeſperrt, Und Geyr und Habicht rauben frey indeß. Gloſt. Was giebt es Neues draußen? Baſt. So Schlimmes draußen nichts, als hier zu Haus. Der Füͤrſt iſt kraͤnklich, ſchwach und melancholiſch, Und ſeine Aerzte fuͤrchten ungemein. Gloſt. Nun, bey Sankt Paul! die Neuigkeit iſt ſchlimm. O er hat lange ſchlecht Diat gehalten, Und ſeine fuͤrſtliche Perſon verzehrt. Es iſt ein Herzeleid, wenn man's bedenkt. Sagt, huͤtet er das Bett?

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