4 Koͤnig Richard W1.
50 nun, in dieſer ſchlaffen Friedenszeit, Weiß keine Luſt, die Zeit mir zu vertreiben, Als meinen Schatten in der Sonne ſpaͤhn Und meine eigne Mißgeſtalt eroͤrtern; Und darum, weil ich nicht als ein Verliebter Kann kuͤrzen dieſe fein beredten Tage, Bin ich gewillt ein Boͤſewicht zu werden, Und feind den eitlen Frenden dieſer Tage. Anſchlaͤge macht' ich, ſchlimme Einleitungen, Durch trunkne Weiſſagungen, Schriften, Traͤume, Um meinen Bruder Clarence und den Koͤnig In Todfeindſchaft einander zu verhetzen. Und iſt nur Koͤnig Eduard treu und aͤcht, Wie ich verſchmitzt, falſch und verraͤtheriſch, So muß heut Clarence eng verhaftet werden, Fuͤr eine Weiſſagung, die ſagt, daß G Den Erben Eduards nach dem Leben ſteh'. Taucht unter, ihr Gedanken! Clarence kommt. (Clarence kommt mit Wache und Brakenbury.) Mein Bruder, guten Tag! Was ſoll die Wache Bei euer Gnaden? Clar. Seine Majeſtaͤt, Beſorgt um meine Sicherheit, verordnet Mir dieß Geleit, mich nach dem Thurm zu ſchaffen. Gloſt. Aus welchem Grund? Clar. Weil man mich George nennt. Gloſt. Ach, Mylord, das iſt euer Fehler nicht, Verhaften ſollt' er darum eure Pathen. O, vielleicht hat Seine Majeſtat im Sinn Umtaufen euch zu laſſen dort im Thurm. Doch was bedentets, Clarence? Darf ichs wiſſen? Clar. Ja, Richard, wann ichs weiß: denn ich betheure, Noch weiß ichs nicht; nur dieß hab' ich gehoͤrt, Er horcht auf Weiſſagungen und auf Traͤume, Streicht aus dem Alphabet den Buchſtab G, Und ſpricht, ein Deuter ſagt' ihm, daß durch G Enterbung uͤber ſeinen Stamm ergeh'; Und weil mein Name George anfaͤngt mit G, So denkt er, folgt, daß es durch mich geſcheh'. Dieß, wie ich hoͤr', und Grillen, dieſen gleich, Bewogen Seine Hoheit zum Verhaft. Gloſt. So gehts, wenn Weiber einen Mann regieren. 'S iſt Eduard nicht, der in den Thurm euch ſchickt;


