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Novellen / von Fr. Seybold
Entstehung
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hin, widmete ſeine Mußeſtunden den Wiſſen⸗ ſchaften und ſuchte keinen Umgang mit ſeinen Nachbarn, die nun ſeine Zurückgezogenheit für Hochmuth hielten und ihn den Menſchenſeind nannten. Unter dieſem Ramen wurde er in der aanzen Gegend bekannt und man erzählte ſich von ihm in vertrautem Zirkel ſeltſame Ge⸗ ſchichten: er hatte ſeine verlobte Braut ſitzen laſſen und war in den Krieg gegangen; in Italien hatte er eine Frau verführt und ihren Mann im Duell erſtochen, worauf er fluchtig werden mußte; in der Türkei ein Harem ge⸗ halten und in Spanien eine Nonne aus dem Kloſter entführt; nun ſei der größte Theil ſei⸗ nes Vermögens verſchwendet und von deſſen Ueberreſten habe er ſein kleines Gut gekauft. Väter und Mütter warnten ihre Söhne und Töchter vor dieſem gefährlichen Menſchen. Da er ſich mit phyſikaliſchen Experimenten beſchäf⸗ tigte und ſelbſt eine Elektriſirmaſchine gebaut hatte, deren Wirkungen ſeine Hausgenoſſen bis⸗ weilen ſahen, ſo hielten ihn die Landleute für eine Art Hexenmeiſter, zogen ſchon auf dreißig