— 2—
in die fernen Himmel; und im Herabſteigen begriffen, die Sonne ſo golden, ſo ſtrahlend in dieſem blauen Fir⸗ mamente, und dieſe Strahlen ſo küſſend und koſend mit einem leichten Lüftchen, das ſäuſelt und zum Lebensgenuſſe einladet.— In dieſen Stunden glänzen die großartigen Baſalt⸗ und Porphyrgebirge des Thales am hellſten, die weiße Frau*) erſcheint verjüngt zur Feier des neuen Jahres, und jugendlich prachtvoll zieht die ganze Natur herauf vom üppigen Süden. Es ſind wonnevolle Stun⸗ den, dieſe erſte, zweite und dritte Nachmittagsſtunde, für jeden, der nicht Mexikaner iſt; denn dieſer ſchläft ſeine Sieſta.
An dieſem Tage jedoch war keine Sieſta in Mexiko, und die Volksſchar, mit der unſer junge Stutzer die Ta⸗ cubaſtraße herauf kam, war nicht die einzige, die in den ſonſt öden Straßen von Mexiko ſchwärmte.
Es iſt etwas ſeltſames um das Schwärmen in Me⸗ xiko;— etwas ſehr ſeltſames.—
Im Mirador der Caſa r) zum San Simon Sti⸗ litta, ſo genannt, weil die Vorderſeite des Hauſes einen Heiligen darſtellte, der volle ſieben Jahre auf einem Beine geſtanden, war die Sieſta auch nicht eingekehrt; denn drei Paar feurige Augen glühten durch den vergoldeten Mi⸗ rador, von dem man die Anſicht der Cathedrale, mehrerer
*) Itzkaccihuatl, oder die weiße Frau. **) Haus.— Die Häuſer in Mexiko werden häufig nach den auf ihrer Fronte gemalten Heiligen genannt.


