—= 359 6—
„Die Taſſe, die von Miß Murky eingeſchenkt, iſt noch immer halb voll;“ plapperte die über ſein Still⸗ ſchweigen wahrſcheinlich etwas piquante Kammerzofe.
„O der ewigen Zerſtreuung!“ ſchmollte ſie;„nun trinken Sie, und zur Strafe ſollten Sie eigentlich eine dritte nehmen.“
„Wer würde ſich dieſe Strafe nicht gefallen laſſen!“ lachte er, die Taſſe leerend und ihr dann überreichend.
„Ruhig!“ mahnte ſie wieder matronlich, als er mit der Taſſe zugleich ihre Hand zu erfaſſen ſtrebte. „Ruhig, ſonſt verſchütten wir, und es iſt ein böſes Vorzeichen, zu verſchütten.“
„Sind Sie abergläubiſch?“
„Wie Sie fragen!“ verſetzte ſie lachend.„In der Abtei erzogen und nicht abergläubiſch ſeyn! Alle waren wir es, wahrſagten, ließen uns wahrſagen, Thereſia, Gabriele; ſo mußte ich mich denn wohl fügen, obwohl mein proteſtantiſcher Sinn ein bischen dagegen re⸗ bellirte.“
Sie war wieder ſo muthwillig! Betſt und Marga⸗ ret, die noch an Hut und Mantel, und Halskragen und Locken ordneten, hatten Mühe, ſie ruhig zu er⸗ halten.— Mit trunkenen Blicken hing er an ihr.


