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geſpannten, geſellſchaftlichen Verhältniſſe noch unnatürlicher ſtraffer zu ſpannen, durch eine kräftigere Geiſtesnahrung erſetzt, durch ein Gegengift weniger ſchädlich werden. Es verhält ſich mit der bürgerlichen Geſellſchaft wie mit dem einzelnen Individuum, das nur dann vollkommen geſund iſt, wenn es keines ſeiner Glieder fühlt, wenn ihm keines derſelben ſein Daſeyn auf eine unangenehme oder ſchmerz⸗ liche Weiſe zu erkennen gibt, wenn alle Funktionen des Körpers ungehindert und leicht vor ſich gehen. Wenn der Magen durch ſtetes Vollpfropfen ſein Daſeyn durch Schwere zu erkennen gibt, dann i*ſt es Zeit zur Abhülfe; aber dieſe iſt am leichteſten möglich, wenn der Kranke ſelbſt ſeinen ſchlimmen Zuſtand durch und durch erkennt; dann kann er durch leichte Mittel abhelfen. Ihn zur Erkenntniß dieſes Zuſtandes zu bringen, iſt aber wieder keine ganz leichte Sache; denn der Kranke iſt reizbarer als der Geſunde; es muß ihm ſeine mißliche Lage ſo ſchonend als möglich, und doch wahr beigebracht werden, und wird ſte ihm dieß, dann haben wir freundſchaftlich an ihm gehandelt, human, weit humaner, als wenn wir ihn ſich ſelbſt überlaſſen, und er ſo gezwungen wird, bei einem Arzte Zuflucht, ja Hülfe zu ſuchen, die immer precair iſt, da ſie von der Einſicht eben ſowohl als der Rechtſchaffenheit dieſes Letztern abhängt.“ „Dieſes Prinzip der Aufklärung des geiſtigen Fortſchrit⸗ tes habe ich zum Geſichtspunkte genommen und werde ihm treu bleiben. Ich habe deßhalb vorgezogen, Thatſachen, lebende, ja geſchichtliche Perſonen zu zeichnen, nach dem an⸗ erkannten Grundſatze, daß oͤffentliche Charaktere auch offen behandelt werden dürfen. Daß dieſes mit Zartheit von mir geſchieht, muß Ihnen klar ſeyn, wenn Sie auch nur ein


