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Als sie diesen Brief gesiegelt und Hannchen übergeben, eilte die treue Dienerin, denselben den lländen Cänse-Cilberts anzuvertrauen, der schon bereit stand, aus dem Schlosse zu klet- tern. Sie gab ihm darauf verschiedne Anwei- sungen über den Weg, besorgt, er möchte sich leicht verirren, da er ihn nur ohngefähr fünf bis sechsmal gemacht hatte, und eine gleich kleine Dosis Gedächtniſs als Verstand besafs. Darauf mufste er aus dem Speisekammerfenster auf den buschigen Eibenbaum steigen, der dicht davor stand, und sie hatte die Freude, ihn glück- lich auf die Erde kommen, und anfangs auch den rechten Weg einschlagen zu schen. Sie kehrte hierauf zu ihrem Fräulein zuriick, sie zu bewegen, sich niederzulegen, und sie durch die Versicherung, daſs Cilberts Sendung den besten Erfolg haben werde, so viel als möglich zu be- ruhigen; konnte aber nicht umhin, im Vorbey- gehn noch einmal zu beklagen, dafs der treue Luthbert, der den Auftrag doch noch sicherer ausgerichtet haben würde, nicht mehr im Stande wäre, ihr zu dienen.
Clücklicher als Bote, denn als Reiter, kam Qänse-Gilbert gegen Tagensanbruch vor des Majors Wohnung an, mehr durch seinen guten Stern, als durch seine Geschicklichkeit: denn er hatte sich nicht öfter als neunmal verirrt,


