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Wohnung zu nehmen. Der gute Rens ſchien jetzt, je näher dieſer Augenblick kam, vor der Zuſammenkunft mit ſeiner Tochter ſich ebenſo zu fürchten, wie er ſie vorher gewünſcht hatte, und theilte allen ſeinen Um⸗ gebungen ſeine Unruhe mit. Er quälte ſeinen Haus⸗ hofmeiſter und ſeine Köche, diejenigen Speiſen zu wäh⸗ len, die Margarethens Beifall gefunden hatten, und ſeine Harfenſpieler, diejenigen Weiſen„ die ſie gerne gehört habe, und als einer von ihnen ſo kühn war, zu erwiedern, daß dieß, ſo viel er bemerkt habe, bei kei⸗ ner der Fall geweſen ſey, drohte er, ihn fortzujagen, weil er ungebührlich von dem Geſchmack ſeiner Tochter geſprochen. 4
Er befahl, das Mahl auf eilf und ein halb Uhr fer⸗ tig zu halten, und lief dann mit umgebundenem Tel⸗ lertuche von Fenſter zu Fenſter, jeden mit der Frage beläſtigend, ob er die Königin noch nicht kommen ſehe. In dem Augenblicke, wo es zwölf Uhr ſchlug, ritt die Königin mit einem kleinen, meiſtens aus Engländern beſtehenden Gefolge, das, wie ſie, Trauerkleidung trug, in Aix ein. An der Spitze ſeines Hofes zog ihr Rens entgegen. So ſtolz Margarethe war, und ſo ſehr ſie alles Lächerliche haßte, wünſchte ſie doch den begange⸗ nen Fehler wieder gut zu machen, ſtieg von ihrem Zelter und bat, vor René ſich auf ein Knie niederlaſ⸗ ſend, dieſen um Vergebung und um ſeinen Segen. „Meinen Segen haſt Du, meine leidende Taube,“ ſprach der König,„und um Vergebung brauchſt Du mich nicht zu bitten, da⸗Du mich nie grkränkt haſt,
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