Teil eines Werkes 
161. Bändchen = Neue Folge, 11. Bändchen, Karl der Kühne, oder: Die Tochter des Nebels : historische Novelle : 5. Theil (1830) Anne of Geierstein or The maiden of the mist
Entstehung
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99 der entthronten Königin, der verwaisten Gattin und ach! der kinderloſen Mutter heilen zu können glaubte, zog ich mich hieher zurück, um ferne zu ſeyn von der lärmenden Fröhlichkeit, die meinem Kummer einen neuen Stachel gab. Aber ſo ſanft und mild iſt Renés Gemüth, daß ſelbſt mein unkindliches Benehmen mei⸗ nen Einfluß auf ihn nicht mindert, und hätte mir Euer Vater melden laſſen, der Herzog von Burgund wolle als Ritter und Fürſt offen und herzlich an dem vorge⸗ legten Plane Theil nehmen, ſo hätte ich's vielleicht über mich vermocht, die Abtretung des Gebiets, die ſeine kalte, ehrſüchtige Politik verlangt, auszuwirken, um die Hülfe zu gewinnen, deren Leiſtung er nun auſſchiebt, bis er ſeinem ſtolzen Sinn durch Bekriegung ſeiner Nachbarn Genüge geleiſtet. Seit ich hier bin, und Ruhe und Einſamkeit mir Zeit zum Nachdenken geben, habe ich mein tadelnswerthes Benehmen gegen den Greiſen, und das Unrecht erwogen, das ich ihm zu thun im Begriff war. Mein Vater ich muß ihm Gerech⸗ tigkeit wiederfahren laſſen, iſt auch der Vater ſeines Volkes. Es hat bisher unter ſeinen Reben und Fei⸗ genbäumen gewohnt, in unrühmlichem Wohlſeyn vielleicht aber frei von Bedrückung und Zwang, und ſein Glück war das ſeines guten Königs. Darf ich dieß Alles än⸗ dern? Darf ich dazu mitwirken, dieſes genügſame Volk an einen gewaltthätigen, herrſchſüchtigen Fürſten zu bringen? Würde ich nicht meinem armen alten Vater das Herz brechen, wenn ich ihn beſtimmen könnte, nach meinem Willen zu thun? Dieſe Fragen ſind es, 7*