Teil eines Werkes 
161. Bändchen = Neue Folge, 11. Bändchen, Karl der Kühne, oder: Die Tochter des Nebels : historische Novelle : 5. Theil (1830) Anne of Geierstein or The maiden of the mist
Entstehung
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45 dern zu laſſen, geruht, Euch vor verſammeltem Hofe vor uns zu berufen, um zu vernehmen, welche Ent⸗

iſchuldigung Ihr vorzubringen habt; daß Ihr unſere Stadt La Ferette hinterliſtig erſtuͤrmt, viele unſerer „Unterthanen erſchlagen, und den edlen Ritter Archi⸗

bald von Hagenbach kaltbluͤtig habt hinrichten laſſen.

Sprecht, wenn Ihr etwas zu Vertheidigung Eurer

Verraͤtherei ſagen koͤnnt, oder bittet um unverdiente Gnade, damit Ihr der gerechten Strafe entgeht.“ Der Landammann ſchien antworten zu wollen,

aber Rudolph uͤberhob⸗ ihn dieſer Muͤhe mit der ihm eigenen Kuͤhnheit, trat mit unerſchrockenem Blick vor

den ſtolzen Herzog, und erwiederte:„Wir ſind nicht

(hieher gekommen, unſere Ehre und die Wuͤrde des

freien Volkes, deſſen Abgeordnete wir ſind, dadurch

zu verunglimpfen, daß wir uns zu Verbrechen be⸗ kennen, die wir nicht begangen haben. Wenn Ihr

uns Empoͤrer nennt, ſo muͤßt Ihr bedenken, daß eine lange Reihe von Siegen, deren Geſchichte mit dem edelſten Blut Oeſtreichs verzeichnet iſt, unſerem Bunde die Freiheit wieder gegeben hat, deren uns ungerechte Zwingherrſchaft vergebens zu berauben ſuchte. Während Oeſtreichs Herzoge uns gerechte, gütige Für⸗ ſten waren, dienten wir ihnen mit unſerm Leben, da ſie aber hart und grauſam wurden, machten wir uns un⸗ abhängig. Haben ſie auch ktetwas von üns zu fordern, ſo werden die Enkel eines Tell, Fürſt und Stanffacher ſo bereit ſeyn, ihre Freiheiten zu vertheidigen, als ihre Väter, ſte zu erringen. Eure Hoheit,— wenn Ihr