„Freund!“ verſetzte der Bruder,„Ihr ſeht mir aus, als früget Ihr nach Dingen, die Ihr ſchon wißt, allein ich gehöre nicht zu den dummen Vögeln, die ſich durch Lockſpeiſe fangen laſſen; wenn Ihr den Prieſter kennt, ſo müßt Ihr auch wiſſen, warum man vor ihm erſchrickt: eher dürfte man ſich in der heiligen Kapelle zu Loretto einen Scherz erlauben, als vor dem.“
Mit dieſen Worten rückte er von Philipſon weg, als fürchtete er, das Geſpräch möchte noch länger dauern.
In dieſem Augenblick trat der Wirth wieder ein, und
befahl Gottfried, den Schlaftrunk zu bringen. Dieß war ein gebranntes Getränk mit Gewürz und ſelbſt Philipſon mußte geſtehen, daß er nie etwas Beſſeres getrunken. Unterdeſſen bemerkte Mengs mit etwas mehr Höflichkeit, als bisher gegen ſeine Gäſte, er hoffe, ſie ſeyen mit der Bewirthung zufrieden, während der alte Diener die Rechnung mit Kreide auf eine hölzerne Tafel ſchrieb, die Summe unter die Zahl der Gäſte gleich vertheilte, und dann Jedem das Seinige abzu⸗ fordern begann. Als der Teller, auf den das Geld gelegt wurde, in die Nähe des Bruder Gratian kam, ging in deſſen Geſicht auf einmal eine Veränderung vor. Er warf einen kläglichen Blick auf Philipſon, als dem Einzigen, von dem er eine milde Gabe hoffen konnte, und dieſer bezahlte des Bettelmönchs und ſeine eigene Zeche, ſo wenig es dieſer durch ſein Mißtrauen verdient hatte. Bruder Gratian überhäufte ihn mit Dankſa⸗ gungen in gutem Deutſch und ſchlechtem Latein, der Wirth ließ ihm aber keine Zeit, damit zu Ende zu


