liches, um ſo mehr aber fiel Philipſon die Wirkung auf, welche die Ankunft dieſes unerwarteten Gaſtes hervorbrachte. Dieſer nahm ohne weitere Umſtände den Ehrenplatz ein, wo vorher der reiche Regensburger ſaß, und muſterte mit kaltem, eiſigem Blicke die Ge⸗ ſellſchaft, wobei er in der Seele eines Jeden zu leſen ſchien, ohne ihn jedoch längerer Aufmerkſamkeit zu würdigen. Auch auf Philipſon fiel ſein Blick, es lag aber nichts darinnen, das verrathen hätte, daß er ihn kennen wollte. Bei all ſeiner Kaltblütigkeit war der Engländer doch in einiger Verlegenheit, als die Augen des Prieſters auf ihm hafteten, und er fühlte ſich er⸗ leichtert, als ſie auf ſeinen Nachbar übergingen. Das lärmende Geſchrei und Gelächter hatte in dem Augen⸗ blicke aufgehört, wo der Geiſtliche in die Stube trat, und einige Verſuche, die Fröhlichkeit wieder herzuſtel⸗ len, ſcheiterten von ſelbſt. Es war, als ſey der fröh⸗ liche Schmaus in ein Leichenmahl, die Gäſte in ein Trauergeleite verwandelt. Ein kleiner Mann, ein Schneider aus Augsburg, wie man nachher erfuhr, forderte, jedoch mit furchtſamer Stimme, den Bruder Gratian auf, weiter zu ſingen, allein dieſer ſenkte den Kopf und ſchüttelte ihn mit ſo wehmüthigem Ausſehen, daß der Schneider erſchrack, als wäre er bei einem Diebſtahl ertappt worden. Kurz, es trat tiefe Stille ein und die Gäſte ſaßen in banger Erwartung, ſo daß ſie, als die Dorfglocke um ein Uhr geläutet wurde, zufammen ſchracken, als wäre dieß das Zeichen eines entſtandenen Brandes. Der Geiſtliche, der in der Eile
Teil eines Werkes
160. Bändchen = Neue Folge, 10. Bändchen, Karl der Kühne, oder: Die Tochter des Nebels : historische Novelle : 4. Theil (1830) Anne of Geierstein or The maiden of the mist
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


