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„Wenn es wichtige Papiere fuͤr unſern Herzog ſind, ſo koͤnnen wir ſie nach Dijon ſchicken, ſie ſind vielleicht von der Art, daß der Koͤnig von Frankreich ſie gerne mit Geld aufwiege.«⸗
Pfui, Kilian, meinſt Du, ich verkaufe die Geheim⸗ niſſe meines Herrn an den Koͤnig von Frankreich? Lieber wollt' ich meinen Kopf auf den Block legen.««
„Wirklich? Und doch macht Ihr Euch kein Gewiſſen daraus...
Er hielt inne, aus Furcht, ſeinen Goͤnner zu belei⸗ digen, wenn er zu offen und zu verſtaͤndlich von ſei⸗ nen Handgriffen redete.
„»Den Herzog zu pluͤndern, willſt Du ſagen, Du Unverſchaͤmter?«⸗ ergaͤnzte Archibald.„Da zeigt ſich wieder, wie gewoͤhnlich, Dein Unverſtand; ich nehme meinen Theil an der Beute, die auf Befehl des Her⸗ zogs den Fremden abgenommen wird, was nicht an⸗ ders als billig iſt; der Jagdhund und der Falke ma⸗ chen es eben ſo, wenn der Jaͤger nicht zu nahe iſt. Dieß gebuͤhrt meinem Range, und der Herzog, der mich hieher geſetzt hat, um ſeine Rache zu befriedi⸗ gen, und mein Vermoͤgen wieder herzuſtellen, macht ſeinem treuen Diener keinen Vorwurf denhalb. Und in der That bin ich im Gebiet von La Ferette ganz der Stellvertreter des Herzogs, oder ſo zu ſagen, ſein zweites Ich, ſomit will ich dieſes Paket öͤffnen, das an ihn, und eben darum auch an mich gerichtet iſt.«⸗
Nach dieſen Worten zerſchnitt er die Seidenfaͤden,
Walter Scytt's Werke, 1598 Boͤchn. 22


