49 Lage an dem jenſeitigen Ufer des Stromes, der an der Ecke des Felſens, auf welchem die Ruinen liegen, aus einer Hoͤhe von ungefaͤhr 100 Fuß ſich in ein Becken ſtuͤrzt, das er ſich unten nach und nach in den Granit gegeben hat. Seinen ſchaͤumenden Wellen gegenuͤber erhob ſich das alte Schloß, das ſo nahe an den Rand des Felſens gebaut war, daß die Strebepfeiler mit demſelben verwachſen ſchienen, und ſich, wie er, in ſenk⸗ rechter Linie erhoben. Nach der zu jener Zeit in ganz
Europa uͤblichen Sitte bildete der Haupttheil des Ge⸗
baͤudes ein maſſives Viereck, deſſen jetzt verfallene Spitze Thuͤrme von verſchiedener Form und Hoͤhe hatte; die einen waren rund, die andern eckigt, mehrere eingeſtuͤrzt, einige noch ziemlich gut erhalten, wodurch die Anſicht des Gebaͤudes in der Ferne etwas Mannig⸗ faltiges erhielt.
Ein vorſpringendes Thor, zu dem man auf einer Treppe gelangte, hatte früher auf eine Bruͤcke geführt, über die man auf die andere Seite des Stromes kam. Ein einziger Bogen, von großen Steinen aufgeführt, ſtand noch, und zeigte ſich gerade vor dem Waſſerfall über dem Strome. Ehemals hatte dieſer Bogen eine hölzerne Zugbrücke getragen, die ſo lange und ſchwer war, daß ſie, wenn ſie niedergelaſſen wurde, nothwen⸗ dig auf einem feſten Grunde ruhen mußte. Freilich entſtand dadurch die Unbequemlichkeit, daß man, ſelbſt wenn die Brücke aufgezogen war, auf den Steinen zur Seite an das Schloßthor gelangen konnte. Da aber dieſer Gang nur 18 Zoll breit war, und der kühne
Walter Scott's Werke. 1578 Boͤchen. 4


