Teil eines Werkes 
157. Bändchen = Neue Folge, 7. Bändchen, Karl der Kühne, oder: Die Tochter des Nebels : historische Novelle : 1. Theil (1830) Anne of Geierstein or The maiden of the mist
Entstehung
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3 38 täubung, ſchien der Geyer, weil Arthur ſich nicht be⸗ wegte, ihn für todt oder wenigſtens dem Tode nahe zu halten, und ſah ihn ſtarr an, ohne alle Zeichen der Furcht, welche gewöhnlich ſelbſt die wildeſten Thiere in der Nähe des Menſchen an den Tag legen. Während Arthur ſich des plötzlichen Schreckens zu entſchlagen ſuchte, den ihm der Sturz des Felſens ver⸗ urſacht hatte, ſchlug er die Angen auf, um langſam und vorſichtig umher zu blicken, und begegnete denen des gefräßigen Raubvogels, der ſich durch ſeinen nack⸗ ten Kopf und Hals, ſeine mit einem braungelben Ringe umgebenen Augen und ſeine mehr horizontale als ge⸗ rade Stellung von den edeln Formen und dem kühnen Blick des Adlers unterſcheidet, wie der Wolf im ma⸗ jeſtätiſchen Anſehen tief unter dem Löwen ſteht.

Wie durch einen Zauber gebannt, hafteten Arthurs Augen feſt auf dem nichts Gutes weiſſagenden Vogel, ohne daß es ihm möglich geweſen wäre, ſie abzuwen⸗ den. Die Furcht vor eingebildeter und wirklicher Ge⸗ fahr laſtete ſchwer auf ſeinem ſchon durch ſeine Lage beklommenen Gemüthe. Warum faßte ihn der Raub⸗ vogel ſo feſt ins Auge, mit vorwärts geneigtem Kör⸗ per, als ſey er bereit, ſich auf ihn zu ſtürzen? War dieſer Lämmergeyer der Geiſt des Orts, der ſeinen Namen trug, und wollte er ſich an dem Anblick eines Fremdlings weiden, den er in ſein Gebiet gelockt, und der nun unrettbar verloren ſchien? Oder war es ein gewöhnlicher Geyer, den ſein Inſtinkt ahnen ließ, daß der Verwegene bald ihm zur Beute werden ſollte?

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