38 4 holen, und es mit der Gewandtheit ihres Landes zu bereiten. Die Saͤngerin war am ſechsten Tag in dieſer Abſicht weggegangen, kurz vor Mittag, und das Verlangen nach friſcher Luft, die Hoffnung, et⸗ was Salat oder Kuͤchenkraut, oder doch einige fruͤhe Blumen zu finden, um damit ihren Tiſch zu ſchmuͤ⸗ cken, hatte ſie in den Schloßgarten gelockt. Sie trat wieder in das Gemach, ſo blaß wie Aſche, und zit⸗ ternd wie Eſpenlaub. Ihr Schrecken ging ſogleich auf Catharinen uͤber, die kaum Worte fand, zu fra⸗ gen, welch' neues Ungluͤck vorgefallen ſey?—
„Iſt der Herzog von Rothſay todt?“
„Nein, ſchlimmer! ſie laſſen ihn Hunger ſterben!“
„Du biſt wahnſinnig, Maͤdchen!«
Nein, nein, nein, nein!« ſagte Louiſe faſt außer Athem, und die Worte ſo ſchnell herausſtoßend, daß Catharine ſie kaum verſtand.„Ich ſuchte Blumen auf Euern Tiſch, weil Ihr geſtern ſagtet, Ihr lie⸗ bet ſie— mein armer kleiner Hund, der ſich in ein Gebuͤſch von Eiben und Hollunder ſchlich, das aus einigen alten Ruinen nahe an der Schloßmauer wuchs, kam winſelnd und heulend zuruͤck— ich ſchlich mich hin, um zu ſehen, was die Urſche ſey; und o! ich hoͤrte das Stoͤhnen eines im Todeskampfe be⸗ griffenen Menſchen, aber ſo ſchwach, daß es aus der Tiefe der Erde ſelbſt heraus zu kommen ſchien. End⸗ lich merkte ich, daß es aus einer kleinen Mauerritze 1 hervorkam, die mit Epheu bedeckt war, und als ich
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