140 „Wie? ſo ſchnell?“ fragte Bois Guilbert. „Ja,“ verſezte der Praͤzeptor,„ein Prozeß geht
fchnell von Statten, wenn der Richter den Spruch ſchon im Voraus gethan hat.“ „Rebekka!“ rief Bois Guilbert, als er allein war; „ſehr theuer wirſt du mir zu ſtehen kommen. Warum kann ich dich deinem Schickſal nicht üͤberlaſſen, wie's
der kalte Heuchler da verlangt?— Noch einen Ver⸗ ſuch will ich zu deiner Rettung machen!— Aber huͤte dich vor Undankbarkeit! denn verſchmaͤhſt du mich wie⸗ der, ſo ſoll meine Rache meiner Liebe gleichen. Das Le⸗ ben und die Ehre Bois Guilberts ſoll nicht auf dem Spiele ſtehn, wenn mir mit Vorwuͤrfen und Verach⸗ tung vergolten wird.“
Kaum hatte der Praͤzeptor die noͤthigen Befehle ertheilt, als Konrad von Montſitchet ihm den Befehl uͤberbrachte, die Juͤdinn ſogleich wegen Zauberei in Unterſuchung zu nehmen.
„Es iſt gewiß ein leerer Traum,“ ſagte der Pro⸗ zeptor,„wir haben viele jüdiſche Aerzte, und Nie⸗ manden faͤllt es ein, ſie ob ihren wundervollen Hei⸗ lungen Zauberer zu nennen.“
„Der Großmeiſter denkt onders,“ verſetzte Mont⸗ fitchet;„und Albert, ich will aufrichtig gegen dich ſein— Hererei oder nicht, beſſer iſt es, die elende Diene ſtirbt, als daß Brian de Bois Guilbert fuͤr den Orden verloren geht, oder der Orden ſich durch innern Zwieſpalt ſchadet. Du kennſt ſeinen hohen


