123
Marie Louiſe machte mehr denn einmal den Ver⸗ ſuch, zu ihrem Ehegemahl zu kommen, allein ſie wurde von Napoleon ſelbſt davon abgebracht, der, immer noch damit umgehend, den Krieg zu erneuern⸗ nicht wuͤnſchen konnte, die Kaiſerinn bei einem ſolchen Unternehmen in ſeiner Naͤhe zu haben. Bald darauf beſuchte der Kaiſer von Oeſterreich ſeine Tochter und ihren Sohn in ihrem zeitigen Aufenthalt zu Ram⸗ bouillet, und gab ihr zu verſtehen, daß ſie füͤr einige Zeit wenigſtens von ihrem Gemahl getrennt bleiben, und nebſt ihrem Sohne mit ihm nach Wien zurück⸗ kehren muͤßte. Sie kehrte ſomit unter den Schutz ihres Vaters zuruͤck.
Es iſt noch als eine auſſerordentliche Zugabe zu dieſer Leidensgeſchichte zu erwaͤhnen, daß Joſephine, die fruͤhere Gemahlinn Buonayartes ſeinen Sturz nicht lange uͤberlebte. Es ſchien, als wenn Obi von Martiniko wahr geſprochen haͤtte; denn zur Zeit, als ſich Napoleon von der Genoſſinn ſeines fruͤheren
Gluͤckes trennte, neigte ſich ſeine Groͤße, und ihr Tod erfolgte nur wenige Wochen nach ſeiner Ent⸗ thronung und Verbannung.
Der Kaiſer von Rußland hatte dieſe Dame be⸗ ſucht, und ihr einige Aufmerkſamkeit geſchenkt, worüber Napoleon aus Gründen, die wir nicht errathen koͤn⸗ nen, aͤußerſt aufgebracht war.
Sie ward in dem Traktat von Fontainebleau reichlich bedacht, lebte aber nicht ſo lange, daß ihr dieſe Wohlthat zu gut gekommen waͤre, denn ſie er⸗ krankte gleich nachher und ſtarb auf ihrer ſchoͤnen Villa Malmaiſon. Sie ward am 3. Juni in dem Dorfe Rueil beerdigt. Eine ungeheure Menſchen⸗ menge aus den niedern Klaſſen wohnte dem Leichen⸗ begaͤngniß bei; denn ſie hatte den Namen einer Be⸗ ſchuͤzerinn der Armen wohl verdient. 3 —.—
—-———


