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ferne rollenden, aber immer naͤher ruͤckenden Geſchuͤz⸗
zesdonner, dann durch ein Musketenfeuer und zu⸗
nächſt durch das Wirbeln der Trommeln auf den Stra⸗ ßen. Aber der Generalmarſch ließ ſich vergebens hoͤ⸗ ren, ſelbſt die kaiſerliche Garde achtete nicht mehr darauf. Den Soldaten war das Leben verleidet, es ſchien, als wollten ſie, wie die Juden in der Wuͤſte, mit dem Biſſen im Munde ſterben. Das entfernte Hurrah und der naͤhere Ruf:„Die Kofacken! Die Koſacken!“ ſo lange ſchon das einzige Signal, dem die große Maſſe gehorchte, trieben endlich dieſe ar⸗ men Menſchen von ihren Genuͤſſen weg auf die Straße. Der Nachtrab von Loiſon, den Wrede, von der Grenze Volhyniens kommend, mit ſeinen Baiern verſtaͤrkt hatte, ſtroͤmte ſo eben, von Witgenſtein, Platoff und andern Parteigaͤngern bis an die Thore verfolgt, in wilder Flucht durch die Stadt.
Wilna war nicht nur das Hauptmagazin, ſondern auch das große Depot der franzoͤſiſchen Armee. Man hatte dort auf dem Vormarſche ein koſtbares Mate⸗ rial, die Kriegskaſſe und einen Theil von Napoleons Privatſchatz zuruͤckgelaſen. Man haͤtte die offene
Stadt leicht wenigſtens ſo lange behaupten koͤnnen,.
als noͤthig war, um die Magazine zu zerſtoͤren und die koſtbarſten Gegenſtaͤnde fortzuſchaffen; aber in dem allgemeinen Wirrwarr dachte niemand daran: die Ruſſen drangen auf einer Seite in die Stadt, waͤhrend die Franzoſen mit dem beſten beweglichen


